Hammer, Klavier und auch Sonate ...

... so könnte man den Auftritt von SPLASH beim Konzertabend am 10. Oktober 2020 im Museum Kurhaus in Kleve kurz umreißen.

Die angedeutete berühmte Sonate des großen Meisters (op. 106) war gegen 18 Uhr schon erklungen, das Publikum hatte also schon eine Ahnung was kommen möge. Trotzdem waren die meisten dann wohl doch überrascht, teilweise schockiert. Stephan Froleyks' neues Werk "Alle Menschen werden Brüder", uraufgeführt von SPLASH und dem DJ Jakob Lebsanft, nimmt das mit dem Hammer und dem Klavier nämlich sehr wörtlich.
 
Aufgebaut waren drei "Klaviertorsi", also Klaviere ohne Deckel, Klaviatur und Mechanik, ein alter Bechstein-Flügel und das Equipment des DJ. Angeregt durch Brieftexte Beethovens wurde den Klavieren mit unterschiedlichsten Werkzeugen und Gegenständen zu Leibe gerückt: Batteriebetriebene Milchschäumer, diverse Trommelschlegel, sogenannte "E-Bows", die mittels elektromagnetischer Felder die Stahlsaiten zum permanenten Schwingen bringen, "Superballs", Ketten, Besenköpfe und, ja auch Hämmer kamen zum Einsatz und sorgten für erstaunliche Klangeffekte von fein, leise intim bis laut, schrill und rhythmisch.

Jakob Lebsanft sorgte darüber hinaus für ausgefeilte Klangflächen, die sich von Schallplatten u.a. der besagten Sonate op. 106 ableiteten. Und da das in der Mitte des Werks dem einen oder anderen vielleicht etwas zu statisch vorkam, begannen die Musikerinnen und Musiker damit, die Klaviere gegenseitig mit kleinen Kieselsteinen zu bewerfen. In einem Fall führte das dann auch dazu, dass neben dem unvermeidlichen Klipperklapper der fliegenden und auf die Saiten fallenden Steinchen auch genau der Grundton des gerade klingenden Akkords aus dem Lautsprecher erklang. Ein zufälliges Aha-Erlebnis!

Das zahlreich erschienene Publikum applaudierte nach Ende des dreißigminütigen Werks laut und anhaltend. So auch Georg Neinhuis, der Klavierbauer, der die Klaviere geliefert hatte: "Sehr eindrucksvoll, ich habe es sehr genossen. Nur die Stelle, wo die Ziegelsteine in die Klaviere fielen, die hat mir weh getan." Das ist aus seiner Sicht verständlich, war aber vom Komponisten auch so gewollt.

Wenn die Reisebestimmungen es zulassen, wird SPLASH am kommenden Sonntag im Konzerthaus Nebia in Biel das Werk erneut zum Klingen bringen, flankiert von einer Uraufführung der Schweizer Komponistin Stephanie Henssler ("Zu Tisch!") und von "Musique de Tables" von Thierry de Meij.

(Michael Bender)

Foto: LMR NRW

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