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Zum Tode von Prof. André Sebald

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. André Sebald, der am 24. Juni 2026 im Alter von 73 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert das Musikleben einen herausragenden Flötisten, hochgeschätzten Pädagogen, leidenschaftlichen Dirigenten und unermüdlichen Streiter für die musikalische Bildung. Sein Wirken reichte über die Konzertbühne hinaus und hat Generationen von Musikerinnen und Musikern geprägt.

Geboren am 25. April 1953 in Bremen, studierte André Sebald Querflöte bei Gertrud und Karlheinz Zöller in Hamburg und schloss sein Studium mit Diplom und Konzertexamen ab. Seine außergewöhnliche künstlerische Laufbahn führte ihn zunächst als Solo-Flötisten zu den Hamburger Symphonikern und an das Orchester der Beethovenhalle Bonn. Über fast vier Jahrzehnte war er anschließend Soloflötist des Gürzenich-Orchesters Köln und prägte dessen Klangbild mit seiner Musikalität, seiner stilistischen Souveränität und seiner kollegialen Persönlichkeit. Mehrere Jahre gehörte er dem Orchester der Bayreuther Festspiele an.

Ebenso bedeutend wie seine Konzerttätigkeit war sein Engagement für die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses. Von 1979 bis 1995 lehrte er an der Folkwang-Hochschule Essen, seit 1993 war er Honorarprofessor an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Mit Hingabe unterrichtete er junge Flötistinnen und Flötisten und begleitete angehende Orchestermusikerinnen und -musiker auf ihrem beruflichen Weg. Als Dozent arbeitete er über Jahrzehnte mit dem Landesjugendorchester NRW, dem Bundesjugendorchester, der Jungen Deutschen Philharmonie sowie weiteren Landesjugendorchestern und Amateurensembles zusammen.

Besonders engagierte sich André Sebald im Landesmusikrat Nordrhein-Westfalen. Über viele Jahre gehörte er zu den prägenden Persönlichkeiten des Dachverbandes. 2011 wurde er zum Vizepräsidenten und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Delegierten für „Musik in Beruf, Medien und Wirtschaft“ gewählt. In dieser Funktion setzte er sich mit Sachkenntnis und Überzeugungskraft für die Belange professioneller Musikerinnen und Musiker ein und verstand es zugleich, Brücken zwischen Berufsmusik, musikalischer Bildung und ehrenamtlichem Engagement zu schlagen. 

Ob als stellvertretender Vorsitzender des Landesausschusses Jugend musiziert, in Gremien des Vereins zur Förderung von Landesjugendensembles NRW oder in weiteren Gremien – stets stand für ihn die Förderung junger Menschen im Mittelpunkt. Er war überzeugt, dass musikalische Exzellenz und gesellschaftliche Verantwortung untrennbar zusammengehören.

Ein besonderes Anliegen war André Sebald die Förderung des kompositorischen Nachwuchses. Mit großem Engagement setzte er sich im Landesmusikrat NRW für die Orchester- und Kompositionswerkstätten ein. Diese Projekte eröffneten jungen Komponistinnen und Komponisten eine seltene Möglichkeit: Sie konnten ihre neuen Orchesterwerke unter professionellen Bedingungen mit einem renommierten Sinfonieorchester erarbeiten, klanglich erproben, gemeinsam mit den Musikerinnen und Musikern weiterentwickeln und schließlich öffentlich aufführen. 

Die zunächst 2009 und 2011 gemeinsam mit dem Gürzenich-Orchester Köln durchgeführten Projekte wurden 2013, 2015, 2018, 2024 und 2026 in Kooperation mit dem WDR Sinfonieorchester fortgeführt und entwickelten sich zu einem herausragenden Förderformat. André Sebald war von Beginn an Motor, Ideengeber und engagierter Mentor dieser Werkstätten. Aus seiner eigenen Erfahrung als Orchestermusiker wusste er, wie unverzichtbar die praktische Arbeit mit einem professionellen Klangkörper für die Entwicklung einer kompositorischen Handschrift ist. Manche heute etablierte Komponistinnen und Komponisten verdanken diesen Werkstätten entscheidende Impulse für ihren weiteren künstlerischen Weg.

Darüber hinaus engagierte sich André Sebald in zahlreichen Ehrenämtern, unter anderem im Beirat der GVL, im Vorstand der Akademie des Gürzenich-Orchesters, als langjähriger Orchestervorstand sowie als stellvertretender Vorsitzender von MUS-E Deutschland. Seit 1995 leitete er mit großem Erfolg die Sinfonia Königswinter, deren musikalische Entwicklung er über Jahrzehnte prägte.

Wer André Sebald begegnete, erlebte einen Menschen, der künstlerische Ansprüche mit menschlicher Wärme, Bescheidenheit und Humor verband. Er verstand Musik nicht als Selbstzweck, sondern als Verantwortung gegenüber den Menschen – auf der Bühne, im Unterricht und in den musikpolitischen Gremien. Seine Stimme hatte Gewicht, weil sie von Erfahrung, Integrität und dem Wunsch getragen war, Musik für kommende Generationen lebendig zu halten. Sein künstlerisches Können, sein pädagogisches Wirken und sein jahrzehntelanger Einsatz für den Landesmusikrat Nordrhein-Westfalen und das Musikleben werden unvergessen bleiben.

Robert v. Zahn, 25. Juni 2026

Foto: André Sebald (r.) wurde am 28. Juni 2021 vom damaligen Ministerpräsidenten Armin Laschet mit dem Verdienstorden des Landes NRW ausgezeichnet. Foto: Land NRW / Günther Ortmann.