Mit großer Trauer nimmt der Landesmusikrat NRW Abschied von Eva Luise Roth, die über ein Vierteljahrhundert die Arbeit der Geschäftsstelle des Landesmusikrats mit Engagement, Sachkenntnis und Verbundenheit mit dem ehrenamtlichen Musikleben mitgestaltet hat und am 12. August 2026 gestorben ist. Eva Luise Roth, Jg. 1964, kam im Jahr 2001 zum Landesmusikrat NRW. Zuvor hatte die Juristin mehrere Jahre in einer PR- und Künstleragentur für klassische Musik gearbeitet. Im Landesmusikrat fand sie ein Tätigkeitsfeld, in dem sie ihre juristische Kompetenz, ihre organisatorischen Fähigkeiten und ihre Begeisterung für Kultur in besonderer Weise miteinander verbinden konnte. Bis 2026 betreute sie vor allem den Bereich der Amateurmusik, zugleich gehörte die Berufsmusik zu ihren Aufgaben.
Besondere Verdienste erwarb sich Eva Luise Roth um die Amateurmusik. Sie beriet Chöre, Orchester, Musikvereine und ihre Verbände in Fragen des Vereinsrechts und der Förderung. Einen Schwerpunkt bildete die Förderung von Amateurmusikprojekten aus den zweckbestimmten Glücksspielerträgen des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit 2001 unterstützt das Land aus diesen Mitteln die Nachwuchsarbeit, besondere Übungsformen und Projekte der Amateurmusik. Der Landesmusikrat koordiniert einen wesentlichen Teil dieser Förderung. Eva Luise Roth erklärte, beriet, prüfte und suchte nach Möglichkeiten. Dabei kannte sie sowohl die Anforderungen öffentlicher Förderung als auch die Realität ehrenamtlich geführter Vereine.
Zugleich begleitete sie die Arbeitsgemeinschaft Musik in Beruf, Medien und Wirtschaft. Zu den besonderen Projekten dort zählten Diskussionsveranstaltungen zum Thema Beruf und Musik im Jahr 2005 sowie ab 2009 die Kompositionswerkstätten mit dem Gürzenich-Orchester und dann mit dem WDR-Sinfonieorchester, die Landesmusikrat und die Orchester international für Komponist*innen ausschrieben. Sie setzte sich für die Spielstättenprogrammprämien ein, mit denen das Kulturministerium und der Landesmusikrat jährlich Spielstätten und Clubs für ihr Programm auszeichnen.
2007 leitete sie die Ausstellung „NRW klingt“ im Landtag Nordrhein-Westfalen, die drei Jahrzehnte Zusammenarbeit der vokalen und instrumentalen Amateurmusikverbände dokumentierte. 2008 entwickelte sie gemeinsam mit der Akademie für Kommunikationsdesign ein Podcastprojekt für „Jugend musiziert NRW“. Damit griff sie damals neue Möglichkeiten digitaler Kommunikation auf und machte die Erfahrungen junger Musikerinnen und Musiker auf neue Weise hörbar. Ein besonderes Anliegen blieb ihr das Ehrenamt. Gemeinsam mit der Landesmusikakademie NRW und den Amateurmusikverbänden arbeitete sie an Angeboten, die Menschen bei der Leitung ihrer Vereine unterstützen. Der Kurs „Ehrenamt in der Musik – und wie!?“ vermittelte Wege zu einer erfolgreichen, zeitgemäßen und motivierenden Vorstandsarbeit. Darin zeigte sich ein Grundzug ihrer Arbeit: Sie wusste, dass ein lebendiges Musikland nicht allein von künstlerischen Ideen lebt. Es braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, Sitzungen vorbereiten, Finanzen verwalten, Förderanträge stellen und Vereine auch rechtlich auf einem sicheren Fundament führen.
2012 wirkte sie an einem Parlamentarischen Nachmittag im Landtag Nordrhein-Westfalen mit, der die musikalische Arbeit in Kindertagesstätten in den Mittelpunkt rückte. Amateurmusikverbände präsentierten dort unter anderem „Toni“ und „Musikus“, die Projekte des Chorverbands NRW und des Volksmusikerbunds NRW, des heutigen Verbands Musik und Bildung NRW. Damit rückte der Landesmusikrat gegenüber Politik und Öffentlichkeit die Bedeutung früher musikalischer Erfahrungen auch durch Initiativen der Amateurmusik ins Bewusstsein. Themen wie kulturelle Vielfalt und interkulturelle Öffnung kamen hinzu. Im Rahmen des Landesmusikratsprojekts „Brückenklang“ wirkte Eva Luise Roth beispielsweise an Begegnungsforen zur interkulturellen Vernetzung der Amateurmusikszenen mit. Stets beschäftigte sie die Frage, wie Vereine gesellschaftliche Veränderungen aufnehmen, neue Menschen erreichen und Vielfalt als Chance für ihre eigene Entwicklung begreifen können. Auch wusste sie um die Bedeutung der von ihr organisierten „Lagerfeuer“ der Amateurmusik wie die jährliche Verleihung der Zelter- und Prof Musica-Plaketten, die das hundertjährige Engagement von Chören und Instrumentalvereinen würdigen, oder die Präsentation von Musikvereinen und Chören auf den Bühnen von Landesgartenschauen und NRW-Festen.
Ab 2008 arbeitete Eva Luise Roth im Kulturpartner NRW e. V. mit und übernahm als Schatzmeisterin Verantwortung. Die Kulturpartnerschaft, die aus einer Initiative von WDR 3 hervorging, verbindet Kulturinstitutionen und Medien in Nordrhein-Westfalen. Mit ihrer Verlässlichkeit und ihrer genauen Arbeit bildete sie im Hintergrund ein wichtiges Rückgrat der Vereinsaktivitäten. Nach der Gründung des Netzwerks bürgerschaftliches Engagement NRW 2022 gehörte Eva Luise Roth dessen siebenköpfigem Sprecher*innenteam an. Hier brachte sie die Erfahrungen der Musikverbände in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang ein. Sie arbeitete daran mit, Organisationen miteinander zu vernetzen, Themen zu bündeln und dem Ehrenamt in Nordrhein-Westfalen eine gemeinsame Stimme zu geben.
Eva Luise Roth verfügte über viel Erfahrung und wusste, wie Verbände, Politik und Verwaltung miteinander arbeiten. Sie verstand Amateurmusik nicht als einen Randbereich des Kulturlebens. Für sie gehörte sie in dessen Mitte. Millionen Menschen singen und musizieren in ihrer Freizeit, übernehmen Verantwortung in Vereinen und schaffen damit Gemeinschaft, kulturelle Teilhabe und musikalische Bildung. Dieses Engagement brauchte aus ihrer Sicht verlässliche Strukturen, fachkundige Beratung und politische Anerkennung.
Mit Eva Luise Roth verliert der Landesmusikrat NRW eine hochgeschätzte Kollegin und eine erfahrene Kennerin des Musiklebens. Viele Entwicklungen der vergangenen 25 Jahre hat sie mitgestaltet. Der Landesmusikrat wird Eva Luise Roth ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie und allen Menschen, die ihr nahestanden.
Robert von Zahn
Foto: Andrea Bowinkelmann