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Voices of Pop Culture

Am 16. Januar 2026 lud das PopBoard NRW gemeinsam mit der Initiative raus.reden in das Orangerie-Theater Köln ein. Unter dem Titel „Voices of Pop Culture“ stand der Abend im Zeichen von Popkultur, gesellschaftlichem Zusammenhalt und demokratischer Verantwortung. Deutlich wurde, wie politisch, vielfältig und zugleich verbindend Popkultur heute sein kann.

Den Auftakt bildete ein Talk von Moderatorin Nada Assaad (raus.reden) mit Franziska Lammers von der Initiative Barrierefrei Feiern, der Musikerin und Songwriterin Jenny Thiele aus der Kölner Indie-Szene sowie Samira Piesters, die das Programm im Stapeltor Duisburg kuratiert. 

Man spürte, wie eng Popkultur mit gesellschaftlichen Fragen verwoben ist. Samira beschrieb das Stapeltor als links-alternativen Ort in der Stadtgesellschaft, der unterschiedlichste Formate vereint: von politischen Veranstaltungen über Konzerte bis hin zu sogenannten „Boomer Partys“ und Familienevents, die auf Sonntage gelegt werden, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Nada Assaad wies auf die veränderte politische Stimmung in Duisburg. Drohbriefe von Rechtsextremen an Schulen hätten die Stadt erschüttert. Auf die Frage, ob sie als Person of Color Angst verspüre, antwortete Samira differenziert: Angst sei es nicht direkt, aber ein Gefühl des Nicht-Angenommen-Seins, das ihr in manchen Begegnungen entgegenschlage.

Franziska Lammers lenkte den Blick auf ein anderes Feld gesellschaftlicher Verantwortung: Barrierefreiheit in der Veranstaltungsbranche. Viele Veranstalter*innen seien dazu guten Willens, so Lammers, fühlten sich aber schnell überfordert, wenn es darum gehe, die Vielzahl möglicher Einschränkungen mitzudenken. Häufig würden selbst basale Voraussetzungen nicht beachtet, sodass Menschen mit Behinderung weiterhin als „Zusatz“ zur eigentlichen Zielgruppe wahrgenommen würden. Zwar sei in der Branche ein wachsendes Bewusstsein zu beobachten, gleichzeitig kürzten politische Entscheider jedoch Fördergelder. Sie möchte eigentlich alle Clubs in ihrem Stadtviertel Ehrenfeld besuchen können, doch realistisch ginge es mit Rollstuhl nur in vieren. Weitere Orte stellten Hürden dar.

Jenny Thiele brachte die Singer Songwriter-Perspektive ein. Sie beobachtet, dass es vielen Menschen schwerer falle, sich für Konzertbesuche zu entscheiden und Tickets zu kaufen – das „Commitment“ fehle zunehmend. In Bezug auf die Rolle von Kunst stellte sie klar: Musik müsse nicht zwangsläufig politisch sein, sie dürfe auch einfach schön oder cool sein. Aber sie könne eben auch Haltung zeigen. In ihrem Song „Frieden“ kritisiert sie etwa die Haltung von Menschen, die über Krieg sprechen, als handele es sich um ein Fußballspiel. Samira Piesters stimmte ihr zu und ergänzte, dass selbst Spaß und gemeinsames Feiern politisch sein könnten – gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen.

Nach diesem Austausch folgte eine Runde mit Vorstellungen von Initiativen und Vereinen aus NRW, die die Popkultur-Landschaft mit gesellschaftlichem Engagement prägen. In kurzen, direkten Gesprächen konnten die Besucher*innen unterschiedliche Projekte kennenlernen, so Masala Movement, Kolbhalle/ Wir Selbst e.V., Die Krähe Dortmund. In anschließenden Thekengesprächen konnten die Besucher*innen die Akteure direkt ansprechen und Kontakte knüpfen. 

Das Format schuf eine offene, lebendige Atmosphäre: Statt langer Vorträge standen Begegnung und Austausch auf Augenhöhe im Mittelpunkt. Die Initiativen präsentierten ihre Arbeit, berichteten von ihren Herausforderungen und luden dazu ein, Popkultur als soziales Netzwerk zu verstehen – als Raum, in dem gesellschaftlicher Zusammenhalt praktisch gelebt wird. Den Abschluss bildete ein Konzert des afrodeutschen Musikers Omar Jatta aus Solingen, der in seinen Songs Afrobeats, Ampiano und Afro Drill mit deutschen Texten und Fragmenten seiner Muttersprache Mandinka verbindet, um über Herkunft, Haltung und das Leben in der Diaspora zu singen.

rvz

Fotos: Begrüßung durch Nada Assaad und Karla Koenig vom Popboard NRW; Nada Assaad, Samira Piesters, Jenny Thiele und Franziska Lammers am 16. Januar 2026 in der Orangerie Köln. Fotos: LMR NRW