Mit einer Feierstunde im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ist am 23. September 2026 die Aufnahme weiterer Kulturformen in das Landesinventar Immaterielles Kulturerbe Nordrhein-Westfalen gewürdigt worden. Zu den neu im Landesinventar geführten Kulturformen gehören die Deutsche Theater- und Orchesterlandschaft, die Chormusik in deutschen Amateurchören sowie das Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung.
Claudia Determann, Referatsleiterin für Grundsatzangelegenheiten, föderale Kulturpolitik, Bundes- und Landesrecht sowie UNESCO-Angelegenheiten im Kulturministerium, führte gemeinsam mit Dr. Jonas Leineweber, Leiter der Landesstelle Immaterielles Kulturerbe NRW an der Universität Paderborn, durch die Feierstunde. Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Kulturformen nahmen dabei ihre Eintragungsurkunden entgegen.
Die Chormusik in deutschen Amateurchören war unter anderem durch Regina van Dinther, Präsidentin des Landesmusikrats NRW und Präsidentin des Chorverbands Nordrhein-Westfalen, sowie Prof. Ekkehard Klemm, Präsident des Verbands Deutscher KonzertChöre, vertreten. Die Aufnahme in das Landesinventar unterstreicht die große kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung des gemeinsamen Singens. Amateurchöre ermöglichen Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe aktive kulturelle Teilhabe, vermitteln musikalisches Wissen und Repertoire und schaffen Gemeinschaft. Zugleich lebt die Chorkultur davon, dass Traditionen immer wieder neu angeeignet, weiterentwickelt und an kommende Generationen weitergegeben werden, wie Regina van Dinther deutlich machte.
Auch die Deutsche Theater- und Orchesterlandschaft wird fortan im Landesinventar geführt. Ihre Aufnahme würdigt die historisch gewachsene Vielfalt von Theatern und Orchestern und deren Bedeutung für das kulturelle Leben in den Städten und Regionen Nordrhein-Westfalens, die Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats, umriss:
“Theater und Orchester sind wichtige Räume der freien Meinungsäußerung, der öffentlichen Debatte und der kritischen Reflexion. Sie fördern Begegnung und Kommunikation, auch jenseits des politischen Diskurses und können als dritte Orte wirken. In Deutschland finden wir sie in besonders hohe Dichte und Vielfalt, wenn man Genres, Ästhetiken, Ausdrucksmitteln, Sprache und Aufführungsanlässe betrachtet. 129 öffentlich geförderte Orchester gibt es in Deutschland, mit über 9.700 Planstellen - ein Schatz, der in zunehmend in die Gesellschaft hineinwirkt und neben seiner kulturellen Bedeutung zu einem Faktor musikalischer Bildung geworden ist,” so Antje Valentin.
Weiterhin wurden eingetragen: das Buchbinderhandwerk, die Demoszene, die Falknerei, das Kneippen, das Märchenerzählen und das Papiertheater. Möglich wurden die neuen Eintragungen durch eine Weiterentwicklung des nordrhein-westfälischen Verfahrens zum Immateriellen Kulturerbe. Kulturformen, deren Bewerbungen aus Nordrhein-Westfalen erfolgreich für das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen worden waren, werden nun ebenfalls in das Landesinventar aufgenommen. Damit soll die Vielfalt der in Nordrhein-Westfalen gepflegten kulturellen Ausdrucksformen umfassender sichtbar werden. Mit der Eintragung ist zugleich eine stärkere Einbindung in die Informations-, Kommunikations- und Vernetzungsangebote der Landesstelle Immaterielles Kulturerbe NRW verbunden. Die Trägergruppen dürfen zudem künftig das Signet des Landesinventars Immaterielles Kulturerbe Nordrhein-Westfalen für ihre Öffentlichkeitsarbeit verwenden.
Die Feierstunde zeigte, dass Immaterielles Kulturerbe nicht allein die Bewahrung historischer Traditionen bezeichnet. Entscheidend ist vielmehr, dass kulturelle Praktiken lebendig bleiben, von Menschen ausgeübt, vermittelt und weiterentwickelt werden. Gerade die Theater-, Orchester- und Chorkultur steht beispielhaft für dieses Zusammenspiel von Tradition, Gegenwart und Weitergabe. Mit der Aufnahme in das Landesinventar erfahren diese Kulturformen eine besondere öffentliche Wertschätzung und Anerkennung. Daran knüpft sich zugleich die Hoffnung, dass die Auszeichnung dazu beiträgt, die Voraussetzungen für ihre dauerhafte Pflege, ihren Schutz und ihre Weiterentwicklung zu stärken und ihre Förderung auch für die Zukunft zu sichern.
rvz
Fotos: Regina van Dinther, Claudia Determann und Ekkehard Klemm bei der Feierstunde zur Aufnahme in das Landesinventar immaterielles Kulturerbe am 23. September 2026 in Düsseldorf; Antje Valentin und Claudia Determann am 23. September 2026 in Düsseldorf; Fotos: Deutscher Musikrat.