Sprachlernkurs für syrische Frauen in Solingen

Abends ist beim Easy Bildungs- und Familienzentrum in Solingen der Klang von Trommeln und Gitarren durch eine Klassenzimmertür zu hören. Aber drinnen findet kein Drum Circle statt und auch keine Probe einer Rock-Band, sondern ein Deutschkurs. Zweimal in der Woche treffen sich eine Sprachtherapeutin, ein ehrenamtlicher Musiker und vier syrische Frauen, um die deutsche Sprache durch gemeinsames Musizieren zu lernen.

„Viele geflüchteten Menschen sind durch die erforderlichen Sprachkurse gefallen, vor allem Frauen über 40 Jahre alt, die sich gleichzeitig um ihre Familienkümmern mussten“, erklärte Uschi Lauterjung, die Organisatorin dieser Gruppe.Das Ziel dieses Programms ist es, Selbstvertrauen in der Alltagssprache zu erlangen und Freude durch Gemeinschaft zu vermitteln. Durch das Lächeln auf jedem Gesicht kann man schon sehen, dass die Teilnehmer*innen hier im Workshop schon Fortschritte gemacht haben.

Vor jeder Session koordinieren Uschi Lauterjung und der 21-jährige Hamma Rhso, der selbst vor ein paar Jahren aus Syrien geflohen ist, den Lehrplan für das 90-minütige Treffen. Sie wählen zusammen ein Thema aus, welches meistens als Ideen von den Teilnehmerinnen stammt, dann bereiten Frau Lauterjung das pädagogische Material und Herr Rhso die entsprechende Musik vor.

Als ich zu Besuch war, wurden der Gruppe deutsche Weihnachtsbräuche durch das Lied „In der Weihnachtsbäckerei“ vermittelt. Wenn die Frauen auf neue Wörter wie zum Beispiel „riesengroße“ oder „verschleppen“ trafen, wiederholten die Teilnehmerinnen die Silben mit den Trommelschlägen – „rie-sen-gro-ße“ – bis ihre Münder die neuen Formen beherrschten.

Nach zwei Monaten kennen die Frauen bereits ein paar Lieder auswendig, die sie mir eifrig beibrachten (ich bin Amerikanerin und auch keine deutsche Muttersprachlerin). Zum Glück gaben sie mir gerne Hilfe, wenn ich die richtigen Wörter vergessen hatte. Am Ende der Sessions spielte Herr Rhso ein beruhigendes, arabisches Stück auf der Saz, einer mittel-östliche Langhalslaute, und wir verabschiedeten uns mit rie-sen-gro-ßem Lächeln.

(Rose Campion)

Das Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen über den Landesmusikrat NRW.

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