Navigation für Screenreader Zur Hauptnavigation springen | Zum Seiteninhalt springen | Zur Meta-Navigation springen | Zur Suche springen | Zur Fuß-Navigation springen

Splash und Alexander von Humboldt

Die 119. Tagung der Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung e. V. stand unter dem Leitmotiv „Wissenschaft in Bewegung“ und widmete sich den historischen, kulturellen und politischen Verbindungen des Rheinlandes mit Alexander von Humboldt sowie der frühen Bundesrepublik Bonn. Vom 8. bis 10. Mai 2026 vereinte die Veranstaltung im Bonner Hotel President Bonn-Poppelsdorf wissenschaftliche Vorträge, kulturhistorische Exkursionen und musikalische Beiträge zu einem facettenreichen Programm. 

Im Verlauf der Tagung spannten die Referentinnen und Referenten einen weiten Bogen von den Reisen Alexander und Wilhelm von Humboldts ins Rheinland über Musik, Literatur und Kunst der Humboldt-Zeit bis hin zur politischen Geschichte Bonns als Bundesstadt. Besonders der Sonntagvormittag rückte die Entwicklung der jungen Bundesrepublik in den Mittelpunkt. Unter der Moderation von Vizepräsident Andreas Koch standen drei Beiträge auf dem Programm.

Dr. Bernhard Wahl widmete sich in seinem Vortrag „Die Entstehung des Grundgesetzes“ den politischen und juristischen Grundlagen der Bundesrepublik Deutschland. Mit großer Präzision zeichnete er die schwierigen Beratungen des Parlamentarischen Rates nach und verdeutlichte, wie sehr die Erfahrungen von Diktatur und Krieg die Verfasser des Grundgesetzes prägten. Dabei machte Wahl deutlich, dass die Bonner Republik nicht als Provisorium ohne Anspruch entstand, sondern als bewusst auf Freiheit, Menschenwürde und föderale Balance gegründeter Staat. Eindrucksvoll war seine Darstellung des Spannungsverhältnisses zwischen politischem Pragmatismus und verfassungsrechtlicher Vision in den Jahren 1948 und 1949.

Im anschließenden Vortrag „Die Politik der frühen Bundesrepublik“ beleuchtete Dr. Matthias Schönwald die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen der Nachkriegszeit und konzentrierte sich auf Walter Hallstein. Er entmythisierte die „Hallstein Doktrin“, der die Bundesrepublik nur zweimal folgte und ansonsten pragmatische Kompromisse bevorzugte. Er schilderte Hallstein als einen überzeugten Europäer und die europäische Vereinigung engagiert forcierte und zum Ende seines Berufslebens ernüchtert war.

Irmtraud Bast von Humboldt-Dachroeden führte dieses Panorama der frühen Bundesrepublik mit ihrem Vortrag „Portraits bedeutender Politiker der Nachkriegszeit“ fort. In Gemälden und lebendigen biographischen Skizzen stellte sie prägende Persönlichkeiten jener Jahre vor und vermittelte zugleich ein Bild der politischen Atmosphäre im Bonn der Nachkriegszeit. 

Den Abschluss der Tagung bildete der „Musikalische Ausklang“ des Landesjugendensembles „Splash: Perkussion NRW“. Splash stand damit vor der Aufgabe, die qualitätsvollen historischen Diskurse mit einem künstlerischen Vortrag abzurunden. Organisiert wurde der Auftritt von Polina Titova; die Leitung und Moderation übernahm Katarzyna Mycka.

Bereits in seinen einführenden Worten stellte Michel Rychlinsky, Geschäftsführer des Vereins zur Förderung von Landesjugendensembles NRW, eine Verbindung zwischen Alexander von Humboldt und der Arbeit des Ensembles her. Humboldt erschien dabei nicht nur als Naturforscher und Geograph, sondern vor allem als international vernetzter Wissenschaftler, dessen Offenheit beispielhaft für die musikalische Arbeit von „Splash“ sei. Das Ensemble verkörpere in besonderer Weise Humboldts Idee eines grenzüberschreitenden kulturellen Austauschs.

Das anschließende Konzert beeindruckte durch rhythmische Präzision, stilistische Vielfalt und die große Spielfreude der jungen Musikerinnen und Musiker. Zu den aufgeführten Werken gehörte „4 Bodies Music“ von Franz Bach, dessen körperbetonte und experimentelle Klangsprache das Publikum unmittelbar in den Bann zog. Mit „Restless“ von Rich O’Meara erklang ein modernes Werk voller rhythmischer Energie und subtiler marimba-klanglicher Schichtungen. „A Little Jazz Waltz“ für Vibraphon solo von Andrei Pushkarev verband lyrische Eleganz mit jazzartigen Harmonien und demonstrierte die Ausdrucksmöglichkeiten des Vibraphons.

Großen Beifall erhielt „Ghanaia“ von Matthias Schmitt in einer Fassung für Marimbaphon und Perkussion. Das Werk mit seinen afrikanisch inspirierten Rhythmen und seiner mitreißenden Dynamik entfaltete eine intensive atmosphärische Wirkung. Weitere Werke rundeten das Programm ab und machten den musikalischen Ausklang zu einem lebendigen und klangfarbenreichen Finale der Tagung.

rvz

Fotos: Auftritt von Splash: Perkussion NRW bei der Tagung der Humboldt-Gesellschaft am 10. Mai 2026 in Bonn und Vortrag Matthias Schönwalds; Fotos: LMR NRW.