Mit dem Konferenztag „Pop needs you“ hat das PopBoard NRW am 17. April 2026 im Rahmen der c/o pop Convention zentrale Fragen zur Zukunft des Popstandorts Nordrhein-Westfalen verhandelt. Im Mittelpunkt standen die politische Resilienz von Kulturförderung, lokale Interessenvertretung, die strukturellen Bedarfe des Popökosystems in NRW sowie konkrete kulturpolitische Forderungen an Landes-, Bundes- und kommunale Ebene.
Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem Panel „We Can Work It Out – Wie stärken wir den Popstandort NRW?“, bei dem mit Frank Jablonski MdL (Bündnis 90/Die Grünen) und Florian Braun MdL (CDU) zwei Vertreter der Regierungsparteien im Landtag NRW auf dem Podium saßen. Moderiert wurde das Gespräch von Daniela Ammermann (u.a. 1LIVE / WDR); für das PopBoard NRW nahm Geschäftsführerin Anna-Kathrin Dietrich teil. Ziel der Session war es ausdrücklich, Perspektiven aus der Szene mit kulturpolitischen Positionen zusammenzubringen und gemeinsam zu verhandeln, wie Politik Popkultur heute und künftig sinnvoll unterstützen kann. Ein zentrales Thema war die unzureichende Förderlage:
Anna-Kathrin Dietrich, Geschäftsführerin PopBoard NRW:
„Wir bleiben als Szene bisher hinter unseren Möglichkeiten zurück. Wir sehen die Landesregierung in der Pflicht, künftig mehr finanzielle Mittel und Strukturen zur Verfügung zu stellen, um Innovation und Kreativität in der Fläche zu ermöglichen, kulturelle Vielfalt zu erhalten und Pop aufgrund seiner hohen gesellschafttlich-kulturellen Relevanz überall mitzudenken.”
Diese Diagnose bezog sie nicht nur auf die Perspektive einzelner Musikschaffender, sondern auf das gesamte Popökosystem in NRW, welches monetär nicht ausreichend vom Land unterstützt wird. Im Panel verwies Dietrich zudem auf die wachsende Frustration in der Szene angesichts geringer Förderquoten und struktureller Unterausstattung. Beispielhaft wurde vom Förderprogramm create music NRW per Videobotschaft berichtet, dass nur ein Viertel der Förderanträge bewilligt werden kann; und das bei kleinsten Fördersummen und strenger Altersbegrenzung (bis 27 Jahre). Eine Kernforderung des PopBoard NRW lautet daher, die Popförderung fest im Landeshaushalt zu verankern. Auf dem Podium stellte Dietrich dem Landeskulturhaushalt 2025 von rund 310 Millionen Euro gegenüber, dass Pop in NRW insgesamt bislang nicht einmal eine Million Euro erhält.
Christina Bergs, Landesmusikrat NRW e.V. – Projekt create music NRW:
“Pop ist Teil der kulturellen Grundversorgung und muss entsprechend priorisiert und finanziert werden. Andere Bundesländer gehen stärker auf diese Umstände ein und haben viel mehr Mittel zur Verfügung.”
Die kulturpolitische Argumentation des PopBoard NRW stützt sich auf die besondere Bedeutung des Standorts Nordrhein-Westfalen: Nach eigener Darstellung gibt es in NRW jährlich mehr Festivals als in jedem anderen Bundesland; zugleich ist Nordrhein-Westfalen der zweitgrößte Musikwirtschaftsstandort Deutschlands. Das PopBoard beschreibt ein dichtes und vielfältiges Ökosystem aus Clubs, Veranstaltenden, Initiativen, Labels, Verlagen, Studios sowie unzähligen Acts und Musikschaffenden.
Neben der Verankerung im Landeshaushalt adressiert das PopBoard NRW weitere konkrete Handlungsfelder. Dazu gehören niedrigschwellige und kleinteilige Förderinstrumente, insbesondere für Konzerte und Auftrittsmöglichkeiten, sowie ein entschiedenerer Schutz von Spielstätten und kulturellen Räumen. Im Panel wurde auch der Rückgang von Auftrittsmöglichkeiten und die generelle Belastung durch Preissteigerungen und fehlende einheitliche Regularien zum Schutz von Spielstätten thematisiert; aus Sicht des PopBoard NRW braucht es deshalb ein landesweites Kulturraumschutzkonzept.
Frank Jablonski, Kulturpolitischer Sprecher (GRÜNE) Landtag NRW:
“Popkultur ist unverzichtbar für die Kulturpolitik und für die Kultur in Nordrhein-Westfalen. Popkultur spielt sich auf vielen verschiedenen Ebene ab und unser Auftrag wird es sein, diese Ebenen noch besser zusammenzubringen und alle Akteuer*innen noch besser zu vernetzen.”
Mit der öffentlichen Vorstellung seiner kulturpolitischen Forderungen schärft das PopBoard NRW sein Profil als Interessenvertretung der Popkultur in Nordrhein-Westfalen. Der Konferenztag „Pop needs you“ hat gezeigt, dass die Debatte über Popförderung längst über Einzelmaßnahmen hinausgeht: Es geht um kulturelle Infrastruktur, um Anerkennung der künstlerischen Leistung und der gesellschaftlichen Bedeutung von Pop, um kulturelle Räume auch abseits der Ballungsgebiete, um Sichtbarkeit und politische Prioritäten. Das PopBoard NRW will diese Debatte weiterführen - mit der Szene, mit Kommunen und mit der Landespolitik.
Pressekontakt: PopBoard NRW, Teresa Zoller: teresa.zoller@popboard.nrw
Downloads: Pressemitteilung, Download Kulturpolitische Forderungen, Pressefotos (Fotocredit: Luisa Walleneit), Website des PopBoard NRW