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Pfingstlehrgang der Akkordeonisten in Remscheid

Der NRW-Landesverband im Deutschen Harmonikaverband richtet dieser Tage wieder seinen alljährlichen Fortbildungslehrgang für Akkordeonisten in der Musischen Akademie Remscheid aus (21.–25. Mai). 103 Solisten und Ensemble-Spieler, Schüler und Lehrer sind wieder zusammengetreten, um Kurse bei insgesamt sieben Dozenten zu besuchen und einen ständigen Erfahrungsaustausch weiterzuführen. In fast allen Seminarräumen der Akademie proben Ensembles, allabendlich treffen sie zu Konzerten und Ergebnispräsentationen zusammen.

Wolfgang Russ aus Schönaich probt mit einem Projektorchester Filmmusiken. Gerade liegt Elmer Bernsteins Soundtrack zu den „Glorreichen Sieben“ auf den Pulten und Russ erklärt seinen Akkordeonisten, wie sie die letzte dynamische Steigerung gegen Schluss des Arrangements gestalten: Lauter können wir nicht spielen, also spielen wir die Töne breit. Matthias Hennecke unterrichtet eine Etage tiefer Ensembles im Zusammenspiel: Wie geben wir Stimmen im Ensemble weiter, wie kommunizieren wir mit Blicken, Gesten und einem Lächeln? Etwas misstrauisch nehmen seine Getreuen die Anweisungen zur mimischen „Einladung“ auf.

Im Nebenraum arbeitet die Dirigierwerkstatt für Anfänger und Fortgeschrittene. Angehende Dirigenten probieren mit einem kleinen Projektensemble unter Anleitung von Sabine Kölz und Tobias Dalhof aus, wie man eine Gruppe Akkordeonisten zusammenhält und geeint in komplexe Rhythmen treibt. In der Akademiewerkstatt zeigt der Akkordeonbauer Tristan Kindel aus Hamburg, wie man Reparaturen vornimmt, Tasturen säubert, wieder gangbar macht. Sehr zufrieden präsentiert er Lehrgangsteilnehmern eine von einer Anfängerin selbst geharzte Tastatur vom Vormittag.

Am Donnerstagnachmittag lädt die Organisatorin und Vorsitzende des Landesverbands Isolde Alka zu einer Diskussion mit der Geschäftsführerin des Bundesverbands Hedy Stark-Fussnegger, die aus Trossingen angereist ist, um den Lehrgang zu besuchen. Eine große Schar interessierter Akkordeonisten, von denen viele auch im Organisationsbereich ihrer Vereine tätig sind, diskutiert mit der Vertreterin des Bundesverbands.

Es geht um pragmatische Fragen des Umgangs mit der Künstlersozialkasse und mit der GEMA, es geht um Migration und die UNESCO-Konvention zum Schutz der kulturellen Vielfalt und ihre Chancen für die Arbeit der Vereine. Zudem zieht die Diskussionrunde eine Bilanz des 11. „World Music Festival“ der Akkordeonisten in Innsbruck, das Musiker aus 16 Nationen zusammenführte und am 12. Mai mit einer Abschlussfeier in der Olympia-World Innsbruck endete. Hedy Stark-Fussnegger notiert sich eine Fülle von Anregungen zum Wettbewerbskonzept, dem Ablauf der Jury-Arbeit und zur Planung der Wertungsräume.

Am Donnerstagabend lädt ein Jazz-Quartett von Hans Günter Kölz zum Workshop. Kölz (Akkordeon) spielt zusammen mit Matthias Anton (Saxophon), Wolfgang Russ (E-Bass und Gitarre) und José Cortijo (Percussion). Eigentlich bilden die Musiker das Quintett „European Jazz Experience“ mit Ruud Ouwehand, doch der Kontrabassist ist verhindert und Russ nimmt dessen Part hinzu. Sie spielen Kompositionen und Arrangements von Dusko Goykovich, Astor Piazolla, Matthias Anton und anderen. Die Band swingt, bringt Drive in den Saal, provoziert Mitklatschen, Lachen und Bewunderung.

Letztere gilt zum Beispiel einem Solo-Stück von José Cortijo: Auf einer Triangel entfesselt dieser einen unbegleiteten rhythmischen Wirbelwind, dem alle Akkordeonistinnen und Akkordeonisten im Saal und auf der Galerie gebannt folgen. Das Programm insgesamt aber zentriert sich um das Akkordeon von Hans Günter Kölz, das der Virtuose in seinen Soli teils sehr zurücknimmt. Seine Klänge huschen, flüstern, pochen, immer einen latenten Groove ausstrahlend, um sich dann ekstatisch zu steigern. Die klangliche Wandlungsfähigkeit seines Instruments scheint Kölz wie ein Gesamtmotto über den 39. Lehrgang zu stellen.

rvz

Fotos: Hedy Stark-Fussnegger und Isolde Alka, Remscheid, 23.5.2013. Wolfgang Russ dirigiert Elmer Bernstein mit einem Projektorchester, Remscheid, 23.5.2013. Fotos: LMR NRW.