Musikalisches Intermezzo mit Saz und Oud zum 60. Jubiläum des Deutschen Blindenhilfswerks im Duisburger Lehmbruck Museum

Am vergangenen Samstag gestalteten die beiden Musiker Mohamad Jolo und Laith Tamer das musikalische Rahmenprogramm zur Feierlichkeit des Deutschen Blindenhilfswerks mit kurzweiligen arabischen Stücken. Die warmen und fröhlichen Klänge von Saz und Oud entfalteten in dem durch Glas und Beton minimalistisch gestalteten Lehmbruck-Flügel des Museums ein besonderes Raum-Klang-Erlebnis. Die Musik der beiden Künstler zog die blinden sowie sehenden Gäste dieser Veranstaltung durch zarte und kraftvolle Klänge gleichermaßen in den Bann und erzeugten eine ruhige und gelöste Atmosphäre. Durch langanhaltenden Beifall würdigte das Publikum die beiden sympathischen Musiker.

Der studierte Philosoph Mohamad Jolo unterrichtete bereits in Syrien Saz und arbeitete dort als Musiker. Er lebt mit Frau und Kindern in Köln und setzt sich als Selbstvertreter der NGO Handicap International für die Belange von geflüchteten Menschen mit Behinderung ein.

Auch der Düsseldorfer Laith Tamer war bereits in Syrien als Amateurmusiker aktiv. Er ist ausgebildeter Historiker und spielt neben Oud auch Neyflöte und Keyboard. In einem Musikprojekt des Landesmusikrats aus dem Förderbereich „Kulturelle und inklusive Vielfalt in der Musik“ assistiert er dem Projektleiter Wassim Abou Fakher beim Oud- und Keyboardunterricht für Kinder.

In einem Grußwort warben der Bürgermeister der Stadt Duisburg Volker Mosblech und die Europapolitikerin Katharina Barley für einen gleichberechtigten Zugang blinder und sehbehinderter Menschen zu allen Dingen des täglichen Lebens.

Bei Podiumsgespräch zum Thema „(Keine) Barrieren in Kultur und Sport“ schilderte die promovierte Duisburger Richterin und ehemalige Bundeliga-Goalballspielerin Petra Bungart von unangemessenen Erfahrungen, bei denen Menschen mit Sehbehinderung mit kognitiven oder körperlichen Einschränkungen in Verbindung gebracht werden. Menschen mit Behinderungen benötigen kein Mitleid, sondern eine Kultur des Ermöglichens. Eindrucksvoll schilderte sie einen Museumsbesuch in Pisa, bei dem die Absperrung zu einer Skulptur für sie geöffnet wurde. Sie hatte die Möglichkeit das große Exponat mit Unterstützung ihrer Freundin kletternderweise zu ertasten. Solch eine pragmatische Herangehensweise sei wünschenswert, aber leider nicht Standard. Es sei nicht die Frage, ob etwas möglich ist, sondern wie etwas möglich gemacht werden kann.

Die weiteren Podiumsteilnehmer:innen bestätigten, dass es zwar einzelne inklusive Inselprojekte gibt, die beispielsweise durch Audiodeskriptionen oder Bühnenführungen den Zugang zu Opern-, Theater- und Filmproduktionen ermöglichen, jedoch sei der gleichberechtigte Zugang zur Kunst für Menschen mit Sehbehinderung immer noch kein flächendeckendes Phänomen. So gäbe es noch viel zu tun, um auch die „passive Sehbehinderungen der Sehenden“ für die Belange der Blinden oder Sehbehinderten abzubauen.

Der Auftritt der Musiker wurde durch den Landesmusikrat NRW aus Mittel des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft gefördert.

(Sandra Hoch)

(Fotos: LMR: Mohamad Jolo mit Saz / Laith Tamer mit Oud)

 

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