Navigation für Screenreader Zur Hauptnavigation springen | Zum Seiteninhalt springen | Zur Meta-Navigation springen | Zur Suche springen | Zur Fuß-Navigation springen

„Mit Sturm in die Nachdenklichkeit“: Preisträgerkonzert Jugend musiziert NRW in der Tonhalle Düsseldorf

Das Preisträgerkonzert des 63. Landeswettbewerbs „Jugend musiziert Nordrhein-Westfalen“ am 3. Mai 2026 in der Tonhalle Düsseldorf zeigte, dass man sich um die Spitze im musikalischen Nachwuchs keine Sorgen machen muss. Die Atmosphäre war geprägt von konzentrierter Spannung und zugleich spürbarer Begeisterung. In seinem Grußwort würdigte der Vorsitzende des Landesausschusses, Peter Nagy, nicht nur die herausragenden Leistungen der jungen Musikerinnen und Musiker, sondern auch den langen Weg, der hinter ihnen liegt – geprägt von Disziplin, künstlerischer Reife und intensiver Vorbereitung. 

Ähnlich würdigte Ralph Zinnikus, Leiter des Musikreferats im Ministerium für Kultur und Wissenschaft, nicht nur das, was die Preisträgerinnen und Preisträger leisten, sondern auch das Engagement der Eltern, Geschwister und Lehrinnen und Lehrer. Er verband dies mit einem leidenschaftlichen Appell an die Jugendlichen, ob die berufliche Laufbahn von Musikpädagoginnen und Musikpädagogen einzuschlagen. Denn der Fachkräftemangel in der musikalischen Bildung nimmt Ausmaße an, die um die Zukunft des Musiklebens bangen lassen.

Mit „Ex Machina“ von Marc Mellits präsentierte sich ein Saxophonquartett, das mit Präzision und rhythmischer Geschlossenheit ein dichtes, fast maschinenhaft pulsierendes Klanggewebe entfaltete. Die vier jungen Musiker zeigten, wie souverän sie auch komplexe zeitgenössische Literatur beherrschen. Einen anderen Charakter brachte der 13-jährige Pianist Florin Hacke auf die Bühne. In Aaron Coplands „The Cat and the Mouse“ verband er technische Brillanz mit erzählerischer Fantasie. Seine Interpretation ließ die musikalische Verfolgungsjagd lebendig erscheinen. Dass „Jugend musiziert“ auch Raum für individuelle künstlerische Handschriften bietet, zeigte Piet Bracklow mit einer freien Improvisation am Drum-Set. Seine Darbietung überzeugte durch rhythmische Raffinesse und ein Gespür für musikalische Dramaturgie. 

Das Kontrabass-Duo Luzie Meyer und Linas Kelkenberg gestaltete Frank Protos Duette mit Ausdruckstiefe und klanglicher Differenzierung. Ebenso überzeugte das Oboen/Englisch Horn-Duo Helene Kreuser und Yumiko Maria Bartz mit einem lebhaften, dialogischen Musizieren, das den tänzerischen Charakter von Bozzas „Fête Villageoise“ zur Geltung brachte. 

Mit dem Akkordeonquartett, das Astor Piazzollas „Adiós Nonino“ interpretierte, erhielt das Konzert eine Referenz an das „Instrument des Jahres 2026“, die zwischen Melancholie und leidenschaftlicher Intensität changierte. Hier zeigte sich die Fähigkeit von Emma Doby, Zhixing Zhang, Malin Rupprecht und Lukas Krügerke, stilistische Grenzen zu überschreiten. Mit immenser technischer Brillanz und einem atemberaubenden musikalischen Dialog glänzte im Anschluss das Streicher-Duo Caroline Anna Hellwig (Violine) und Audrey Zheng (Violoncello). Sie interpretierten Johan Halvorsens hochvirtuose Passacaglia mit beeindruckender Präzision und dynamischem Zusammenspiel.

Zu den solistischen Höhepunkten zählte auch der Auftritt des jungen Pianisten Toni Gu mit dem Finale aus Beethovens „Pathétique“-Sonate. Seine Interpretation verband technische Sicherheit mit einer bemerkenswerten Ausdruckskraft und ließ bereits eine künstlerische Reife erkennen, die weit über sein Alter hinausweist. Moderator Nicolas Tribes erfragte seine künstlerische Auffassung von Beethovens Sonate, und der Elfjährige schilderte, wie er den Kopfsatz als ein mühsames Beherrschen von kreativer Energie, den langsamen Satz als eine ruhige Reflexion empfand. Im Finale versuche Beethoven, die entfesselten Energien in eine Form zu bringen – „mit einem Sturm in die Nachdenklichkeit“. Die Harfenistin Livia Neumüller überraschte durch den Verzicht auf die impressionistische Klangsphäre, die man von Harfen in Preisträgerkonzerten erwarten könnte, und ließ eine behende Spinne in der Tonhalle erstehen, Paul Pattersons “Tarantula”. Einen Kontrast dazu bildete der Gesangsbeitrag von Laili Sulhdost, die mit Händels Arie „Svegliatevi nel core“ barocke Dramatik und emotionale Intensität auf die Bühne brachte. Yoshimi Yamamoto begleitete emphatisch am Klavier. 

Dass der Wettbewerb bewusst auch populäre Musik integriert, wurde mit der Interpretation von Green Days „Basket Case“ deutlich. Hanno van Stiphauts und Luisa van Stiphauts Darbietung für E-Gitarre und E-Bass wirkte frisch und schwebend. Den Schlusspunkt setzte das Duo Mattis Jo Koling, Posaune, und Emil Hansol Sülberg, Tuba, mit Steven Verhelsts „Devil’s Waltz“. Mit kraftvollem Klang, Virtuosität und Bühnenpräsenz gelang ein Finale, das das Publikum mitriss. 

Neben den musikalischen Beiträgen hatte auch die Verleihung des Sparkassen-Förderpreises einen wichtigen Stellenwert. Achim Knell, stellvertretender Geschäftsführer des Rheinischen Sparkassen und Giroverbandes, zeichnete mehrere der jungen Interpretinnen und Interpreten aus. Die Preise verdeutlichen die Rolle der Förderung durch Institutionen wie den Sparkassen und das Kulturministerium, ohne die ein Wettbewerb wie „Jugend musiziert“ in dieser Form nicht möglich wäre. Insgesamt hinterließ das Konzert den Eindruck einer lebendigen, vielseitigen und hochqualifizierten Nachwuchsszene.

rvz

Foto:  Emma Doby, Zhixing Zhang, Malin Rupprecht und Lukas Krügerke mit Adios Nonino von Astor Piazolla am 3. Mai 2026 in der Tonhalle Düsseldorf; Toni Gu spielt das Finale aus Beethovens “Pathetique” in der Tonhalle Düsseldorf; eine Band aus dem Jugendjazzorchester NRW umrahmte die Ausgabe der Urkunden in der Rotunde der Tonhalle; Hanno van Stiphaut und Luisa van Stiphaut am 3. Mai 2026 im Preisträgerkonzert; Fotos: LMR NRW.