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Landesjugendchor NRW begeistert mit dem Format „Kathedrale & Klub“

Es ist ein faszinierendes musikalisches Experiment, das räumliche und stilistische Grenzen auflöst. Mit der Konzertreihe „Kathedrale & Klub“ hat der Landesjugendchor NRW an gleich drei Abenden sein Publikum auf eine außergewöhnliche akustische Reise mitgenommen. Geistliche Chormusik in sakralen Räumen und weltliche Pop- sowie Jazz-Arrangements in der intimen Atmosphäre urbaner Kulturstätten verbanden sich dabei zu einem Doppelerlebnis.

Das innovative Format, konzipiert unter der künstlerischen Leitung von Nicolas Fink, zeigte die enorme musikalische Flexibilität der jungen Sängerinnen und Sänger. Bevor das Ensemble am Samstag in Düsseldorf gastierte, präsentierte es das ambitionierte Programm bereits erfolgreich an zwei weiteren Orten in Nordrhein-Westfalen. Den Auftakt bildete am Donnerstag, dem 04. Juni, Wuppertal, wo das Kulturzentrum Immanuel und das Haus der Jugend Barmen als Spielstätten dienten. Am darauffolgenden Freitag zog der Chor nach Essen weiter, um das Publikum zunächst in der St. Ludgerus Kirche in Rüttenscheid und anschließend im Katakomben Theater zu begeistern. Eine Besonderheit dieser Tournee war die Einbindung lokaler Nachwuchsensembles: In Wuppertal bereicherte der Junge Popchor der Bergischen Musikschule das musikalische Geschehen, in Essen der Kammerchor des Gymnasiums Essen-Werden.

In Düsseldorf übernahm der Mittel- und Oberstufenchor am Düsseldorfer Humboldt-Gymnasium unter der Leitung von Tilman Wohlleber diesen gastgebenden Part. Der erste Teil des Samstagabends begann um 19.30 Uhr in der Kirche St. Ludger. Hier entfaltete der Landesjugendchor, unterstützt von den Assistenzkräften Franziska Kothner und Julius Brühl, seine klassisch-geistliche Klangkultur. Das Spektrum reichte von der Tiefe in Heinrich Schütz' „Herr, auf dich traue ich“ und Josef Rheinbergers „Agnus Dei“ bis hin zu den schwebenden Klängen von Maurice Duruflés „Quatre Motets sur des thèmes grégoriens“. Beim besonders anspruchsvollen „Vater unser“ von Max Reger für drei vierstimmige Chöre und damit für zwölf Stimmen kam die sangliche Klasse des Chors hervorragend zur Geltung. Besondere emotionale Dichte erzeugte der Chor zudem mit Rudolf Mauersbergers Trauerode „Wie liegt die Stadt so wüst“ sowie dem aufrüttelnden „Advance Democracy“ von Benjamin Britten. Einen gelungenen musikalischen Bogen zum weltlichen zweiten Programm schlug schließlich das zeitgenössische Stück „World o world“ von Jacob Collier. Für einen echten Gänsehautmoment sorgte zudem „Cerf-Volant“, das gemeinsam mit dem Schulchor des Humboldt-Gymnasiums vorgetragen wurde und die jugendlichen Stimmen strahlend vereinte.

Nach dem orchestralen Nachhall der Kathedrale vollzog sich in Düsseldorf der spannende Szenenwechsel. Im zweiten Konzertteil in der Club-Atmosphäre der Jazz-Schmiede Düsseldorf legten die Mitwirkenden die sakrale Strenge vollends ab. Der Startschuss fiel schwungvoll mit Duke Ellingtons Jazz-Standard „It Don't Mean a Thing“ im Arrangement von Ben Parry. Mitreißende Leichtigkeit dominierte unter anderem bei Nanna Øland Fabricius' „Audition Day“, dem von Geoff Castellucci arrangierten Klassiker „Can't Help Falling In Love“ oder der feinsinnigen Coldplay-Interpretation „Human Heart“, die von Julius Brühl arrangiert wurde. Sprachliche Raffinesse kam durch Oliver Gies' augenzwinkernde Vertonung von „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ pointiert zur Geltung. Ein emotionaler Ankerpunkt waren zudem die Ballade „And so it goes“ von Billy Joel und das Beatles-Mashup „Blackbird / I will“. Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums brachten sich auch hier mit eigenen Showcases hervorragend ein und performten Lady Gagas „Always Remember Us This Way“ sowie Stings „Fragile“.

Einen gelungenen Schlusspunkt setzte der Landesjugendchor NRW mit den beiden Auftragskompositionen „Come Rain or Shine“ von Martin Kirchhübel und „Uns aus, aus uns“ von Gordon Hamilton – eine Hymne auf Nordrhein-Westfalen. Die Konzertreihe „Kathedrale & Klub“ erwies sich damit als starkes, pulsierendes Plädoyer für die stilistische Vielfalt der Vokalmusik.

Der Landesjugendchor NRW steht in gemeinsamer Trägerschaft des Landesmusikrats NRW und des Chorverbands NRW und wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Weitere Infos zum Landesjugendchor sowie Konzerttermine sind unter www.ljc-nrw.de zu finden.

Armin Eichenmüller

Foto: Von der Kathedrale in den Klub: Der Landesjugendchor NRW begeistert das Düsseldorfer Publikum auf der stimmungsvoll beleuchteten Bühne der Jazz-Schmiede.
Foto: Armin Eichenmüller