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LandesJugendAkkordeonOrchester NRW in Wuppertal

Ein beeindruckendes Konzert präsentierte das LandesJugendAkkordeonOrchester Nordrhein-Westfalen (LJAO NRW) im Kulturzentrum Immanuel in Wuppertal. Unter der Leitung von Peter Lohmar zeigten die 28 jungen Musikerinnen und Musiker eindrucksvoll, welches musikalische Niveau ein Projektorchester erreichen kann, wenn engagierte Nachwuchstalente auf intensive Probenarbeit und professionelle musikalische Leitung treffen.

Sebastian Ohlheiser, Geschäftsführer des LandesJugendAkkordeonOrchesters Nordrhein-Westfalen, begrüßte das Publikum, eröffnete auch die zweite Programmhälfte und erläuterte am Ende des Konzerts, wie ein solches Projektorchester funktioniert. Die musikalische Moderation übernahm Peter Lohmar, der aktuell die Probenphasen des Jahres 2026 leitet. Im Mittelpunkt steht dabei die Vorbereitung auf den Wettbewerb für Auswahlorchester am 14. November in Osnabrück.

Zum Auftakt erklang die „Festival-Ouvertüre“ von Rudolf Würthner – eine Originalkomposition für Akkordeonorchester und zugleich ein Werk, das bis heute Maßstäbe für anspruchsvolle Orchesterarrangements setzt. Würthner hatte unter anderem das Berufsmusiker-Orchester des Hauses Hohner aufgebaut und die Entwicklung der deutschen Akkordeonorchester nachhaltig geprägt.

Es folgte „Traumfetzen“ der jungen Berliner Komponistin Janin Janke. Es ist ein Preisträgerwerk des Wolfgang Jacobi Kompositionspreises 2023 und zugleich Pflichtstück beim Wettbewerb für Auswahlorchester 2026. Inhaltlich erinnert es an den Komponisten Wolfgang Jacobi, dessen musikalisches Schaffen trotz großer künstlerischer und pädagogischer Leistungen nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend in Vergessenheit geriet. Janke greift in ihrem Werk exemplarisch musikalische Elemente Jacobis auf, ohne dessen Musik vollständig nachzuformen: Ein Rhythmus, eine Melodie oder ein Stil blitzen auf und verlöschen wieder – wie eben „Traumfetzen“. Zurück bleiben Erinnerungen, aus denen neue und mitunter ungeahnte Möglichkeiten entstehen können. Das LJAO setzte diese vielschichtige Komposition mit großer klanglicher Sensibilität um.

Eine besondere Herausforderung stellt auch „The Kingdoms“ des britischen Komponisten Ian Watson dar. Das neue Werk der Höchststufe beschäftigt sich mit den vier historischen Königreichen England, Schottland, Wales und Irland. Das LJAO präsentierte die vier Sätze aufgeteilt auf beide Programmhälften. Watson verarbeitet darin jeweils charakteristische Volksmelodien und -rhythmen; im langsamen Satz „Wales“ erklingt sogar das älteste bekannte walisische Volkslied. 

Auch anspruchsvolle Arrangements klassischer Literatur gehören zum Repertoire des Projektorchesters. Besonders eindrucksvoll geriet in der ersten Programmhälfte ein Ausschnitt aus Igor Strawinskys Ballett „Der Feuervogel“ mit „Tanz“, „Wiegenlied“ und „Finale“. Das Ballett erzählt die russische Märchengeschichte vom jungen Prinzen Iwan Zarewitsch, der in den verzauberten Garten des bösen und unsterblichen Zauberers Kastschei gerät. Mit seiner Musik zu „Der Feuervogel“ wurde der damals erst 27-jährige Strawinsky schlagartig international bekannt. Trotz Anleihen bei Nikolai Rimski-Korsakow entwickelte er eine ganz eigene Klangsprache mit Glissando- und Flatterzungen-Effekten. Sirrende und flirrende Klänge sowie die wirkungsvolle Kombination unterschiedlicher Instrumentalfarben verleihen der Musik einen faszinierenden Farbreichtum. Das LJAO ließ diese klanglichen Feinheiten auf dem Akkordeon eindrucksvoll lebendig werden.

Auch Ludwig van Beethoven war im Programm vertreten – mit dem ruhigeren zweiten Satz, dem „Allegretto“, aus seiner 7. Sinfonie in A-Dur op. 92. Die Musik entstand in einer Zeit, in der Beethoven sich intensiv mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen Europas auseinandersetzte und die europäischen Befreiungskriege gegen die napoleonische Vorherrschaft das Zeitgeschehen prägten.

Die jungen Musikerinnen und Musiker haben darüber hinaus große Freude an Filmmusik. Diese bietet eine besondere Möglichkeit, sinfonische Klangwelten auf unmittelbare und unterhaltsame Weise zu vermitteln – und kann gerade auch jüngere Zuhörerinnen und Zuhörer für klassische Musik begeistern. Die zweite Programmhälfte eröffnete das LJAO mit Musik von John Williams aus der „Jurassic Park“-Filmreihe. Die berühmte Filmmusik entführte das Publikum musikalisch in die faszinierende Welt der Dinosaurier. 

Zum Abschluss wurde es noch einmal fantasievoll und mitreißend: John Powells Musik aus „Drachenzähmen leicht gemacht“ begeisterte mit ihrer farbenreichen und energiegeladenen Klangsprache. Die Filmmusik begleitet die Geschichte des jungen Wikingers Hicks und des majestätischen Nachtschatten-Drachen Ohnezahn – eine Geschichte über Freundschaft, Mut und die Bewältigung großer Herausforderungen.

Das LandesJugendAkkordeonOrchester NRW wird durch eine Spitzenförderung des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt. Seine Mitglieder sind Schülerinnen und Schüler, Studierende oder bereits berufstätig und kommen aus unterschiedlichen Teilen Nordrhein-Westfalens zusammen. Um ein solches musikalisches Niveau zu erreichen, ist neben den gemeinsamen Proben auch viel individuelle Übungsarbeit erforderlich. Gerade die schnellen Läufe und anspruchsvollen Passagen spielen sich nicht von allein. Wie ausgewogen das Orchester besetzt ist, zeigte sich auch in der Zusammensetzung: fünf Musikerinnen und Musiker in der 1. Stimme, vier in der 2. Stimme, sechs in der 3. Stimme, fünf in der 4. Stimme, zwei im Bass, zwei am Keyboard sowie drei im Schlagwerk sorgten für ein differenziertes Klangbild.

Der begeisterte Applaus des Publikums ließ am Ende natürlich keine andere Möglichkeit als eine Zugabe. Und auch dabei zeigte das LJAO seine musikalische Vielseitigkeit: Mit einem Rock-Arrangement von „Schrei nach Liebe“ der Ärzte wechselte das Ensemble noch einmal souverän das Genre. Auf die Standing Ovations im Publikum der Konzertkirche folgte schließlich ein augenzwinkernder „Rausschmeißer“: der „Partyvogel“, eine humorvolle Erinnerung an die intensive Probenarbeit mit Metronom beim „Feuervogel“. Mit viel Rhythmus und zusätzlichen Keyboard-Effekten verabschiedeten sich die jungen Musikerinnen und Musiker endgültig von ihrem begeisterten Publikum. Nach diesem überzeugenden Konzert dürfte eines jedenfalls feststehen: Das LandesJugendAkkordeonOrchester Nordrhein-Westfalen ist bestens gerüstet für den Wettbewerb für Auswahlorchester am 14. November in Osnabrück. Dafür drücken sicher nicht nur die Zuhörerinnen und Zuhörer aus Wuppertal kräftig die Daumen. 

Anita Brandtstäter

Foto: Das LandesJugendAkkordeonOrchestser Nordrhein-Westfalen unter Leitung von Peter Lohmar am 4. Oktober 2026 auf der Bühne der Konzertkirche des Kulturzentrums Immanuel in Wuppertal, Foto: Anita Brandtstäter