Landesbegegnung „Schulen musizieren“ NRW in der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf

Lebendig geht es zu, wenn sechs eher groß als klein besetzte Schulensembles an einem Samstag zusammenkommen, um zu zeigen, was sie in den letzten Wochen und Monaten einstudiert haben. Das ist nicht nur eine musikalische, sondern immer auch eine logistische Herausforderung. Und vom Dauerregen lässt man sich schon gar nicht die Laune verderben! (Auch wenn der Bus nicht direkt vorm Eingang halten kann und Instrumente geschleppt werden müssen.)

Bei der Landesbegegnung „Schulen musizieren“ NRW am 5. Mai im Partika-Saal der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf traten die Orchester und Ensembles auf, die sich im Vorfeld in sechs Regionalbegegnungen in Köln, Krefeld, Jüchen, Iserlohn, Marsberg und Dortmund für die Landesbegegnung qualifiziert hatten. Bei der Auswahl spielte die Qualität der Leistung ebenso eine Rolle wie die Berücksichtigung von unterschiedlichen Schul- und Ensembleformen.

So waren das Blasorchester eines Gymnasiums neben der Schülerband einer Förderschule, das Sinfonieorchester eines Gymnasiums neben einem Grundschulorchester, die Big Band eines Gymnasiums neben der Chorklasse einer Realschule zu hören. Dass die Gymnasien mehr als andere Schulformen bei „Schulen musizieren“ vertreten sind, ist der dort – noch? – stärker verwurzelten Ensemblearbeit geschuldet. Der Vorsitzende des ausrichtenden Verbands Deutscher Schulmusiker (VDS) NRW, Dr. Walter Lindenbaum, stellte in seinem Grußwort die Frage, ob die auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit (G 8) künftig noch so viel Raum für die Ensemblearbeit lassen werde wie bisher – und äußerte damit eine Befürchtung, die viele Schulmusiker und Eltern teilen.

Den Anfang des Konzerts machte mit einem Medley die „Capella Caroli“ des Carolus Magnus Gymanasiums Marsberg unter der Leitung von Gerhard Eberbach, ein Förderkurs der Stufen 6 und 7, der sich für eine Schulstunde pro Woche trifft.

Die von Henryka Wacker geleitete Schülerband „Just4fun“ der Vier-Täler-Schule in Plettenberg arbeitet ohne Noten, aber mit viel Herzblut: „Wahre Freunde sind immer für dich da“, sangen die beiden Mädchen, und man konnte ahnen, dass dies an einer Förderschule möglicherweise mehr Bedeutung hat als am Gymnasium.

Das Schulorchester des Märkischen Gymnasiums bestach durch seinen fulminanten Einstieg mit Musik aus dem „Krieg der Sterne“: Dirigentin Hannelore Gansczyk näherte sich dem Orchester helmbewehrt aus der Ferne. Die Stückauswahl zum Thema Krieg sah außerdem das Klavierkonzert „Der gelbe Fluss“ (mit einer chinesischen Pianistin) vor, das die Zeit der japanische Besatzung Chinas thematisiert, und einen Ausschnitt aus der Filmmusik von „Pearl Habour“.

Nach der Pause zeigte das von Edith Langgartner und Miguel Lopez geleitete Orchester der Gemeinschaftgrundschule Richardstraße Düsseldorf, wie ein Schulorchester funktionieren kann, das aus dem Musizieren in Bläser-, Streicher- und Gitarrenklassen erwachsen ist. Jedes Kind der Schule erlernt ein Instrument. Und das in Kooperation mit der Clara-Schumann-Musikschule Düsseldorf entstandene Modell des Klassenmusizierens darf als Konkurrenz zum – weiterhin auf das Ruhrgebiet beschränkte – Landesprogramm „Jedem Kind ein Instrument“ durchaus ernst genommen werden!

Die Mitglieder der von Matthias Regniet geleiteten Chorklasse 7a der Realschule Jüchen wurden – da mehr Bewerbungen als Plätze vorlagen – in der 5. Klasse durch das Los ausgewählt. Und auch sonst steht mehr der Gemeinschafts- als der Leistungsgedanke und damit letztlich die Entwicklung der Persönlichkeit im Mittelpunkt. Die in den Stimmbruch geratenen Mitschüler werden von Proben und Aufführungen nicht ausgeschlossen, sondern beteiligen sich so, wie sie können, u.a. auch durch das Spiel von Instrumenten. Passend zum Konzept trugen sie unter anderem zwei Stücke aus „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ vor und lockerten ihren Auftritt durch Papierflieger, bunte Tücher und eine eigene Lichtregie auf. Leiter Matthias Regniet ist nicht nur der Musik-, sondern auch der Klassenlehrer.

Einen schwungvollen Schlusspunkt setzte schließlich die Big Band des Gymnasiums Fabritianum Krefeld, das in einem weiten Altersspektrum Schülerinnen und Schüler von Klasse 5 bis 13 vereint. Leiterin Anja Hufen-Stöbe holte aus der Big Band das Beste heraus: präzise Einsätze und Akzente und den Funken, der auf das Publikum übersprang, etwa bei „Tequila“. Vereinzelte Soli und der Gesang der beiden Sängerinnen (mit überraschend dunklem Timbre bei "Feeling good") fügten sich gut ein. Weiter so!

Wer von den teilnehmenden Ensembles zur 17. Bundesbegegnung „Schulen musizieren“ vom 6. bis 9. Juni 2013 in Koblenz fahren darf, wird das Projektteam der Bundesbegegnung unter Berücksichtigung der Nominierungen durch den VDS NRW im Juni 2012 entscheiden.

Die Landesbegegnung "Schulen musizieren" NRW wird aus Mitteln des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW über den Landesmusikrat NRW gefördert.  Die Organisation der in Kooperation mit der Robert-Schulmann-Hochschule Düsseldorf durchgeführten Veranstaltung lag in den Händen von Dr. Dieter Döben vom VDS NRW.

hs

Foto 1: Das Schulorchester des Märkischen Gymnasiums Schwelm unter Leitung von Hannelore Gansczyk war eines der teilnehmehmenden Ensembles bei der Landesbegegnung "Schulen musizieren" NRW am 5. Mai 2012 in der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf.

Foto 2: Dr. Walter Lindenbaum Lindenbaum, Vorsitzender des Verbands Deutscher Schulmusiker, spricht bei der Landesbegegnung "Schulen musizieren" NRW am 5. Mai 2012 in der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf das Grußwort.

Fotos: LMR NRW

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