Kulturelle Bildung stellt einen Wert an sich dar. Sie eröffnet Menschen Zugänge zu Kunst und Kultur, als Möglichkeit der ästhetischen Erfahrung, des eigenen Ausdrucks und der Auseinandersetzung mit sich selbst und der Gesellschaft. Was so einfach klingt, ist in der Praxis aber gar nicht so selbstverständlich. Wo künstlerisches Arbeiten an pädagogische, soziale oder politische Zielvorgaben gebunden wird, können Spannungen und Zielkonflikte entstehen.
Bei der Fachtagung des Kulturrat NRW „Kein Mittel zum Zweck – warum wir Kulturelle Bildung stärken müssen“, die mit rund 100 Teilnehmenden am 6. Mai 2026 im Kunstmuseum Bochum stattfand, ging es um den Eigenwert Kultureller Bildung als Begegnungsmöglichkeit mit und durch die Künste. Es war bereits die dritte Fachtagung unter dem Oberthema „Qualitäten in der Kulturellen Bildung“.
Lorenz Deutsch, Vorsitzender des Kulturrat NRW: „Wenn der Kulturrat NRW als Dachverband der Kulturverbände eine solche Fachtagung organisiert, dann aus der besonderen Perspektive der Künstler*innen. In der Arbeitsgruppe Kulturelle Bildung blicken Vertreter*innen aller Sparten auf das Thema Vermittlung. Uns interessiert, welche besondere Rolle Künstler*innen dabei spielen und wie wir diese stärken können.“
Dietmar Dieckmann, Beigeordneter der Stadt Bochum für Bildung, Integration, Kultur und Sport: „Kulturelle Bildung ist heute aus sozialen und künstlerischen Kontexten nicht mehr wegzudenken. Sie ist zentraler Bestandteil für Teilhabe, Bildungsgerechtigkeit und die kulturelle Identität unserer Städte. Wir haben gezielt Fachkompetenz aufgebaut, um die vielfältigen Angebote besser zu koordinieren und die Zusammenarbeit zwischen städtischen Einrichtungen und freien Trägern zu intensivieren. Auf dieser Grundlage legen wir in diesem Jahr unser erstes städtisches Gesamtkonzept „Kulturelle Bildung“ vor. Bochum versteht sich als lernende Stadt. Wir möchten von den Impulsen der Tagung profitieren und zugleich unsere Erfahrungen teilen, denn nur gemeinsam können wir die Rahmenbedingungen so gestalten, dass kulturelle Bildung nachhaltig wird.“
Eva Busch, stellvertretende Direktorin des Kunstmuseum Bochum: „Das Kunstmuseum Bochum versteht sich als Ort, an dem Kunst nicht nur präsentiert, sondern aktiv erlebt und reflektiert wird. Wir brauchen Wege, die partizipativ, niedrigschwellig und machtkritisch sind, die Kunst als lebendigen, gesellschaftlichen Prozess begreifen und zugänglich machen. Die Fachtagung Kulturelle Bildung ist für uns eine wichtige Plattform, um diese Ansätze gemeinsam weiterzudenken.“
Die „(un-)erwarteten Wechselwirkungen“ zwischen Künsten und Kultureller Bildung skizzierte Prof. Dr. Frank Jebe, Kunst- und Kulturvermittlung, Hochschule Niederrhein, in seinem Impuls. Angesichts so verschiedener Strömungen in der Kunst wie Autonomie, Postautonomie und soziale Praxis konstatierte er: „Den Künsten steht die Entdeckung der Kulturellen Bildung als Arbeitsfeld noch bevor“.
Im Zentrum der Tagung standen vier Workshops zu den Themen „Arbeitsbedingungen in der Kulturellen Bildung“, „Die Rolle von Künstler*innen in der Kulturellen Bildung“, „Awareness in künstlerisch-kulturellen Kontexten“ und „Gelingendes Wirken zwischen Kunstvermittlung und Sozialarbeit“.
„Handlungsmöglichkeiten sind kein Klavier mit weißen und schwarzen Tasten. Im Umgang mit den Künsten können wir lernen, dass wir uns im unendlichen Reich der Töne bewegen.“
So beschrieb Diemut Schilling, bildende Künstlerin, die besonderen Zugänge, die Künstler*innen in der Kulturellen Bildung eröffnen können. Bei der Abschlussdiskussion zum Thema „Mehr-Wert. Künstler*innen in der Kulturellen Bildung“ diskutierte sie gemeinsam mit Dr. Michael Reitemeyer (Abteilungsleiter Kultur, Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW), Lorenz Deutsch (Vorsitzender Kulturrat NRW) und Prof. Dr. Frank Jebe (Kunst- und Kulturvermittlung, Hochschule Niederrhein) über persönliche und strukturelle Voraussetzungen für gelingende kulturelle Bildungsprozesse.
Künstlerische Interventionen des ok.wow-kollektivs in Gestalt von zwei care bears, die sich unter das Publikum mischten, sorgten für überraschende, oft heitere Momente und Perspektivwechsel.
Die Fachtagung war eine Veranstaltung des Kulturrat NRW, in Kooperation mit dem Kunstmuseum Bochum, gefördert von der Stadt Bochum, dem Kompetenzzentrum für Kulturelle Bildung im Alter und inklusive Kultur (kubia), dem Deutschen Tonkünstlerverband e.V. und von Die Sichtweisen – Gesellschaft für bunte Ansichten e.V.
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