Preisträger von Jugend komponiert NRW präsentierten im Studio der Musikfabrik Köln

Am Abend des 7. Oktober versammelte der Landesmusikrat NRW sieben junge Komponistinnen und Komponisten sowie fünf ausführende Musikerinnen und Musiker im Studio des Ensembles Musikfabrik in Köln. Sie stellten ausgewählte Arbeiten aus dem Wettbewerb „Jugend komponiert NRW“ des Jahres 2021 vor. Auch ein Publikum aus Angehörigen und Interessierten fand sich ein, um zu hören, wie Kreativität in der Corona-Krise klingt. Bei Ausschreibung des Wettbewerbs waren sich die Verantwortlichen im Landesmusikrat unsicher, ob die Krise und die Lockdowns die Zahl der Einsendungen beeinträchtigen oder vielleicht sogar steigern würden. Der Posteingang gab eine klare Antwort. Mit 55 Einsendungen lag die Teilnahme deutlich unter der Hälfte der Zahl früherer Wettbewerbe.

André Stärk, Leiter des Wettbewerbs, lobte im Konzert den Mut der Kinder und Jugendlichen, nicht nur zu komponieren, sondern sich einem Wettbewerb zu stellen und aufzuführen. 25 Preise hat die Jury vergeben, Karin Haussmann, Wilfried Maria Danner, David Graham, Björn Raithel, Anna Luca Mohrhenn, Walter Lindenbaum und André Stärk bildeten die Jury, die digital getagt hatte. Nicolas Tribes führte durch das Programm des Konzerts, das vom traditionellen Streichquartett über den tänzerischen Popsong bis zum atonalen Experiment reichte.

Die Corona-Krise war auch in der Musik zu spüren: Der Detmolder Anton Stärk lieferte in seiner ersten Wettbewerbsteilnahme ein nicht nur selbst komponiertes, sondern auch selbst eingesungenes und digitalisiertes Stück „FFP2“ auf Tonträger, das seine Empfindungen während der Einschränkung sozialer Kontakte spiegelt – Anton Stärk ist gerade einmal zwölf Jahre alt. Christian Brandenburger hingegen als 17jähriger und als Preisträger in bereits fünf Wettbewerbsdurchgängen für die Jury ein alter Bekannter. Moderator Tribes stellte fest, dass sich die beiden durch die Preisträgerkonzerte schon acht Jahre kennen.

In seinem Oeuvre schreckte Brandenburger dabei vor sehr großen Besetzungen nicht zurück, doch diesmal hatte er ein Stück für Solo-Oboe eingereicht. In feiner fragmentarischer Sprache spricht es konzentriert zum Publikum. Seine Interpretin Elsa Misof hatte ihm in mehreren Begegnungen gezeigt, was die Oboe alles vermag. Dann schrieb er ihr das Werk quasi ins Rohr und forderte die Interpretin dennoch. Ihr 15minütiger Vortrag von „Kontraste – Zusammenhänge“ war eine bravouröse Leistung.

Der zehnjährige Aleksei Kushnerev schrieb drei Dichtungen für Klavier, die er souverän am Steinway vorführte. „Winterwalzer“, „Herbstspaziergang“ und „Traumland“ erzählen von Natur und Verinnerlichung und ließen wohl keinen im Studio unberührt. Musikalische Lyrik boten auch Dominik Schimmel und Fynn Hoffmann am Klavier, beide 18 Jahre alt. Ihr „Gedicht“ für Klavier zu vier Händen entwickelt quasi improvisatorisch und zuweilen impressionistisch seine Harmonienfolgen. Die Helden der beiden Komponisten sind, so bekannten sie dem Moderator, Chopin, Rachmaninoff und Prokofieff, zudem einige Jazzpianisten.

Jaspar Labonte hat zwei Songs am PC produziert, von denen im Konzert einer, „Sunny Day“, erklang. Ein sonniger Tag mit unterbödigen Kontrasttönen. Martin Nauendorf thematisiert in einem popelektronischen Stück den Identitätsverlust in den sozialen Medien. Ständige Taktwechsel lassen den Hörer das Gefühl für die 1 im Takt und damit den Halt verlieren. Nauendorf arbeitet International. Er vertonte einen eigenen japanischen Text, seine Rhythmusgitarristin wohnt in Tokyo, der dritte Musiker in Los Angeles, und sie proben grundsätzlich digital.

Zum Schluss erklang ein Streichquartett. Soney Marino Paho hat es als sein Opus 4 geschrieben, traditionell anmutend im vierstimmigen, das Thema immer neu verwebenden Satz. Christian Knust (V), Krisztina Sonder (V), Martin Sonder (Va) und Anna Overbeck (Vc) interpretierten es mir großem Ton und sorgfältiger Akkuratesse. Ein genussvolles Finale des Konzerts, das junge Kreativität mit einer beeindruckenden Spannbreite präsentierte.

Organisiert hatte das Konzert Michel Bender (Landesmusikrat NRW), unterstützt vom Abilash Arackal; Michael Bender sorgte auch für die Tontechnik. Jugend komponiert NRW ist ein Projekt des Landesmusikrats NRW, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW.

rvz

Fotos: Christian Knust (V), Krisztina Sonder (V), Martin Sonder (Va) und Anna Overbeck (Vc) am 7. Oktober 2021 beim Preisträgerkonzert Jugend komponiert NRW im Studio des Ensembles Musikfabrik; Dominik Schimmel und Fynn Hoffmann am Flügel; Nicolas Tribes (M) im Gespräch mit David Graham (L) und André Stärk (R). Fotos: LMR NRW.

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