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Fast eine Orgel: Gemeinsames Konzert zweier Jugendakkordeonorchester in Köln

Ein klangstarkes musikalisches Zeichen internationaler Jugendbegegnung setzten das Landesjugendakkordeonorchester NRW und das Nationale Jugendakkordeonorchester der Schweiz am Morgen des 24. Mai in der Trinitatiskirche Kölns. Der Deutsche Harmonika Verband NRW hatte eingeladen, und die Schweizer präsentierten gerne ihren hohen Leistungsstand. In der Trinitatiskirche erlebte man vor und nach dem Konzert ein trubeliges Miteinander der vielen Jugendlichen. So intensiv die Begegnung war, so kurz war die gemeinsame Probe. Bei den gemeinsam gespielten Stücken hat kaum jemand im Publikum vermutet, dass die gemeinsame Probezeit nicht einmal eine halbe Stunde betragen hatte.

Unter der Leitung von Peter Lohmar eröffnete das Landesjugendakkordeonorchester NRW das Konzert mit Rudolf Würthners „Festival Ouvertüre“. Präzise und energiegeladen gelang ein festlicher Auftakt, der sofort die Qualität des Ensembles erkennen ließ. Mit Ian Watsons Werk „Kingdoms“ führte das Orchester anschließend musikalisch in drei Sätzen durch England, Wales und Schottland. Den vierten Satz sparte es für ein späteres Konzert auf. Charakteristische Klangfarben und tänzerische Elemente zeichneten die unterschiedlichen Regionen plastisch nach. Besonders eindrucksvoll gelangen die atmosphärischen Wechsel zwischen majestätischer Weite, folkloristischen Anklängen und kraftvollen rhythmischen Passagen.

Einen Kontrast setzte Janin Jankes „Traumfetzen“. Das Werk entfaltete eine moderne, teils schwebende Klangsprache, in der sich Fragmente, Erinnerungen und emotionale Spannungen zu einem vielschichtigen Klangbild verbinden. Hier überzeugte das Ensemble besonders durch seine klangliche Differenzierung und sensible Gestaltung, eine gute Voraussetzung für den Wettbewerb von Auswahlorchestern am 13. und 14. November in Osnabrück, bei dem dieses Werk Pflichtstück für Akkordeonorchester ist. Zum Abschluss des ersten Konzertteils erklang die „Berceuse“ aus Igor Strawinskys „Feuervogel“. Die Musikerinnen und Musiker entwickelten einen fein austarierten, beinahe sphärischen Klang, der die lyrische Schönheit dieses Satzes zur Geltung brachte.

Nach der Pause präsentierte sich das Nationale Jugend Akkordeon Orchester Schweiz unter der Leitung von Yvonne Glur. Mit Johann Sebastian Bachs „Toccata und Fuge d-Moll“ bewies das Ensemble klangliche Geschlossenheit und Virtuosität. Die bekannte Orgelmusik blieb in der Bearbeitung dem Klangcharakter einer Orgel auffallend treu, gewann aber an Weite und Dynamik. Dann eine einnehmende Dichtung: Lutz Starks „Meditation und Allegro in D“ hat zwei langsame Rahmenteile mit geschichteten, beinahe meditative Klangflächen, während der Mittelteil mit furioser Energie und rhythmischer Schärfe begeisterte.

Besonderer Mittelpunkt des zweiten Konzertteils war der Solist Emanuel Krucker am Hackbrett. Mit Dieter Ammanns „Rechts und links“, einem eigens für das Jugendensemble entstandenen Werk für Hackbrett und Akkordeon, zeigten sich Krucker und das Ensemble von ihrer experimentellen, aber auch regionalhistorischen bzw. folkloristischen Seite. Krucker überzeugte dabei mit technischer Brillanz und großer Präsenz. Franz Liszts „Grand Galop chromatique“ sorgte anschließend für virtuosen Überschwang und hörbare Spielfreude. Berührend waren dann zwei Schweizer Volkslieder, die die Musikerinnen und Musiker nur von Krucker am Hackbrett begleitet sangen und summten.

Zum großen Finale vereinigten sich beide Orchester zu John Williams’ Soundtrack aus „Jurassic Park“. Der Klangkörper der vereinten Ensembles entfaltete enorme Klangfülle und sorgte für einen symphonisch wirkenden Höhepunkt. Das Publikum dankte den Musikerinnen und Musikern mit langanhaltendem Applaus. Mit der Zugabe „Sandstorm“, ein Stück des finnischen DJs Darude, verabschiedeten sich die Jugendlichen schließlich temperamentvoll und mit Spielfreude – ein energiegeladener Abschluss, dessen Melodien und Rhythmen danach noch aus den Garderoben drangen.

rvz

Fotos: Das Landesjugendakkordeonorchester NRW und das Nationale Jugendakkordeonorchester Schweiz, geleitet von Peter Lohmar, in der Trinitatiskirche Kölns am 24. Mai 2026; das Nationale Jugendakkordeonorchester Schweiz singt mit Yvonne Glur, Leitung, und Emanuel Krucker am Hackbrett; das Nationale Jugendakkordeonorchester Schweiz mit Dirigentin Yvonne Glur; Fotos: LMR NRW.