Bereits zum dritten Mal widmet sich der Kulturrat NRW dem Thema „Qualitäten“ in der Kulturellen Bildung: Auf den ersten Fachtag im Jahr 2023 zu „Qualitätsdimensionen Kultureller Bildung“ folgte 2024 ein Fachtag zu „Sektoren- und ressortübergreifender Zusammenarbeit in der Kulturellen Bildung“. Der Fachtag 2025 nimmt nun Kulturelle Bildung im Spannungsfeld von Eigenwert und Verzweckung sowie die spezifische Rolle der Künstler*innen in den Blick.
Mittwoch, 6. Mai 2026 von 10 bis 16 Uhr, Kunstmuseum Bochum, Kortumstraße 147, 44787 Bochum
Kulturelle Bildung bedeutet, Menschen Zugänge zu Kunst und Kultur zu eröffnen – als Möglichkeit der ästhetischen Erfahrung, des eigenen Ausdrucks und der Auseinandersetzung mit sich selbst und der Gesellschaft. Sie fördert Wahrnehmung, Kreativität und kritisches Denken und unterstützt Menschen dabei, ihre eigene Position in einer vielfältigen Gesellschaft zu finden. Sie stellt einen Wert an sich dar.
Künstler*innen spielen in der kulturellen Bildung eine zentrale Rolle. Durch ihre künstlerische Praxis, ihre Perspektiven und ihre Offenheit für Experimente schaffen sie Erfahrungsräume, die sich von anderen Bildungsformaten unterscheiden. Sie laden dazu ein, anders zu denken, zu fühlen und zu handeln, und machen Kunst als lebendigen Prozess erfahrbar. Ohne Künstler*innen verliert kulturelle Bildung ihren spezifischen Kern: die unmittelbare Begegnung mit künstlerischem Denken und Gestalten.
Künstlerische Freiheit und die Anforderungen kultureller Bildung lassen sich grundsätzlich vereinbaren, stehen jedoch in einem produktiven Spannungsverhältnis. Kulturelle Bildung braucht Kunst nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern als eigenständige Praxis mit offenem Ausgang. Gerade die künstlerische Freiheit – das Nicht-Planbare, das Irritierende, das Zweckfreie – ist ihr besonderer Wert.
Aus der Perspektive von Künstler*innen ist das Verhältnis von künstlerischer Freiheit und kultureller Bildung oft von Ambivalenzen geprägt. Kulturelle Bildung eröffnet wichtige Arbeitsfelder, Begegnungen und Räume für künstlerische Praxis. Gleichzeitig entstehen Spannungen dort, wo künstlerisches Arbeiten an pädagogische, soziale oder politische Zielvorgaben gebunden wird.
In solchen Kontexten besteht die Gefahr, dass Kunst funktionalisiert wird und ihre Eigenständigkeit verliert. Der künstlerische Prozess wird dann zum Mittel, nicht mehr zum Zweck. Dort, wo Offenheit für Prozesse, Scheitern und Uneindeutigkeit zugelassen sind, kann künstlerische Freiheit erhalten bleiben. Bildung entsteht hier nicht trotz, sondern gerade durch die künstlerische Praxis.