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Die Musikschule Neuss erinnert mit einem Konzert an ihren langjährigen Leiter Reinhard Knoll

Mit einem vielseitigen Erinnerungskonzert hat die Musikschule der Stadt Neuss am Samstag im Zeughaus ihres langjährigen Leiters Reinhard Knoll gedacht, der auch als Präsident des Landesmusikrats NRW und Stellvertretender Vorsitzer des Kulturrats NRW das Kulturleben förderte. Das Programm spannte den Bogen von den ersten musikalischen Schritten der Jüngsten bis zu anspruchsvoller Orchestermusik und spiegelte damit die gesamte musikalische Bildungsarbeit wider, für die Knoll über Jahrzehnte stand.

Den Auftakt gestaltete ein JeKits-Chor aus mehreren Neusser Grundschulen mit den Liedern „Kein schöner Land“ und „Un poquito cantas“. Bereits zu Beginn wurde deutlich, wie sehr Knoll der musikalische Nachwuchs am Herzen lag. Dezernentin Ursula Platen eröffnete den Abend gemeinsam mit Musikschulleiter Holger Müller. Platen erinnerte sich dabei auch an ihre eigene Zeit als Querflötenschülerin an der Musikschule. Zwischen Unterricht und Proben habe sie viele Stunden im Gebäude verbracht, dort Hausaufgaben gemacht und immer wieder Gespräche mit Reinhard Knoll geführt. Als Dirigent leitete er die großen Ensembles der Musikschule, in denen auch sie selbst mitspielte.

Zugleich verwies Platen auf die langjährige Zusammenarbeit von Musikschule und Kulturforum Alte Post bei den Musicalwochen, die seit 1994 stattfinden und meist im Globe Theater hochkarätige Produktionen auf die Bühne bringen. Für zahlreiche junge Künstlerinnen und Künstler seien sie zum Sprungbrett geworden. Beispielhaft dafür stand der Auftritt von Mila Ringl, die gemeinsam mit der Pianistin Denise Koll „Im Grünen irgendwo“ aus dem Musical „Der kleine Horrorladen“ interpretierte.

Regina Schmitz erinnerte mit ihrem einfühlsamen Vortrag von Michel Legrands „The Windmills of Your Mind“, begleitet von Norbert Braun am Klavier, an Knolls Liebe zur Musik weit über das klassische Repertoire hinaus.

Antje Valentin blickte auf ihre ersten beruflichen Begegnungen mit Reinhard Knoll zurück. Sie kam aus Berlin als frisch gekürte Leiterin der Landesmusikakademie NRW nach Heek und Reinhard Knoll war als Vorsitzender des Trägervereins ihr Hauptansprechpartner. Zu Beginn ihrer Tätigkeit in Heek habe sie durch ihn Nordrhein-Westfalen und dessen Musiklandschaft kennengelernt. Knoll engagierte sich nicht nur in Neuss, sondern auch in den Vorständen des Landesmusikrates NRW und des Kulturrats NRW. Eigentlich habe er bei der Akademie nur noch eine weitere Amtszeit übernehmen wollen, berichtete Valentin, doch sei er dann Jahr für Jahr ihr verlässlicher beruflicher Partner geblieben.

Musikalisch unterstrich das Phoenix Klavierquartett aus dem Förderprogramm des Landes Kammermusikzentrum NRW diese Würdigung mit dem Klavierquartett Es-Dur von Robert Schumann – ein Werk, das zugleich als Symbol für Knolls Engagement in der Spitzenförderung junger Talente stand. Elin Leese (Klavier), Antonia Kahleyß (Violine), Joscha Rensing (Viola) und Leona Thiel (Violoncello), das Catherine Klipfel unterrichtet.

Wie nachhaltig diese Förderung bis heute wirkt, erläuterte anschließend Dr. Bernd Wippe, Zweiter Vorsitzender des Fördervereins der Musikschule. Vor rund zwanzig Jahren habe er Knoll vorgeschlagen, ein Exzellenzprogramm für besonders leistungsbereite Schülerinnen und Schüler aufzubauen. Gemeinsam warben sie dafür erfolgreich Spenden aus der Neusser Bürgerschaft ein, während der Förderverein zugleich Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien unterstützt. Viele Nachwuchsmusikerinnen und -musiker hätten das Exzellenzprogramm durchlaufen; einige von ihnen seien später mit dem Kunstförderpreis der Stadt Neuss ausgezeichnet worden.

Dass musikalische Spitzenförderung stets auf einer breiten Basis beruht, wurde auch am Jugendsinfonieorchester deutlich. Sein Fundament bilden die Aufbauensembles der Musikschule – von den „Zwergen“ bis zu den „Fröschen“ –, aus denen sich in permanenter Nachwuchsarbeit die großen Orchester entwickeln.

Unter der Leitung von Ralf Beckers präsentierte das Jugendsinfonieorchester der Musikschule der Stadt Neuss anschließend einen esprit-reichen Konzertteil. Nach der Ouvertüre zur Operette „Leichte Kavallerie“ von Franz von Suppè folgte Ennio Morricones „Gabriel’s Oboe“, bei dem Konstantin Janta als Solist mit einem besonders berührenden Oboenspiel überzeugte. Auszüge aus Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ bildeten den klangvollen Abschluss des offiziellen Programms.

In seiner Schlussmoderation warb Beckers für die Angebote der Erwachsenenbildung an der Musikschule. So verstärkten Mitglieder des Erwachsenenorchesters „Sinfonia“ an diesem Abend das Jugendsinfonieorchester und verdeutlichten damit, dass gemeinsames Musizieren keine Altersgrenzen kennt. Mit Johannes Brahms’ „Ungarischem Tanz Nr. 5“ verabschiedeten sich die Musikerinnen und Musiker schließlich mit einer schwungvollen Zugabe. 

Das Erinnerungskonzert zeichnete das Bild eines Musikpädagogen und Kulturgestalters, der Generationen von Menschen geprägt hat. In den persönlichen Erinnerungen ehemaliger Schülerinnen und Weggefährten, in den Berichten über seine kulturpolitische Arbeit und vor allem in den musikalischen Beiträgen wurde deutlich, dass Reinhard Knoll stets den ganzen Weg im Blick hatte: von den ersten Liedern der Grundschulkinder über die Förderung besonders begabter junger Musikerinnen und Musiker bis hin zum Musizieren im Erwachsenenalter. Nachwuchsarbeit, Exzellenzförderung und kulturelles Engagement waren für ihn keine Gegensätze, sondern Teile eines gemeinsamen Verständnisses von musikalischer Bildung. 

rvz

Fotos: Musikschulleiter Holger Müller und Kulturdezernentin Ursula Platen eröffnen am 27. Juni 2026 im Zeughaus Neuss das Erinnerungskonzert an Reinhard Knoll; Mila Ringl und Denise Koll interpretierten “Im Grünen irgendwo” aus “Der kleine Horrorladen”; das Phönix Klavierquartett spielt Schumanns Klavierquartett Es-Dur, Oboist Konstantin Janta in “Gabriels Oboe” von Ennio Morricone, zusammen mit dem Jugendsinfonieorchester der Musikschule der Stadt Neuss unter Leitung von Ralf Beckers; Fotos: LMR NRW.