Die ersten beiden Tage des Landeswettbewerbs „Jugend musiziert“ Nordrhein-Westfalen 2026 in Dortmund sind geschafft. Sie standen ganz im Zeichen beeindruckender Nachwuchsleistungen und einer bemerkenswert herzlichen Gastfreundschaft der ausrichtenden Stadt. Junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Nordrhein-Westfalen präsentierten auf hohem Niveau ihr Können. Die Bandbreite reichte von solistischen Beiträgen bis hin zu kammermusikalischen Besetzungen. Die Spielstätten – insbesondere die Einrichtungen von Dortmund Musik (Musikschule Dortmund), das Reinoldi-Haus sowie das Orchesterzentrum NRW – boten ideale Bedingungen für die jungen Talente. Heute kommt auch der Jazzclub Domicil für die Kammermusik mit Blasinstrumenten dazu. Hervorzuheben ist die professionelle Betreuung vor Ort: Helferinnen und Helfer, Lehrkräfte sowie das Organisationsteam sorgten für reibungslose Abläufe und eine angenehme, wertschätzende Atmosphäre.
Ein besonderer Höhepunkt des zweiten Tages war das „Konzert der Jüngsten“ am Samstagabend (21. März) im Kammermusiksaal des Orchesterzentrums NRW. Dieses Konzert bot den jüngsten Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Bühne. Den Auftakt gestalteten die beiden Klarinettisten Daguo Liu (Paderborn) und Arslan Nurullin (Detmold) mit dem Kegelduett F-Dur von Mozart. Ihr fein aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel, die klare Tongebung und das sensible musikalische Gespür ließen bereits zu Beginn aufhorchen und schufen eine konzentrierte, zugleich lebendige Atmosphäre.
Im Anschluss überzeugte Saulė De Paul (Bonn) am Klavier mit einem Satz aus einer Haydn-Sonate – mit eleganter Phrasierung und einer bemerkenswerten Ruhe. Eine besondere Klangfarbe brachte Daguo Liu in seiner zweiten Rolle – diesmal an der Harfe – mit dem Werk „Angelus“ von Henriette Renié ein. Mit großer Sensibilität und feinem Gespür für Klangnuancen entfaltete er die poetische Wirkung dieses selten zu hörenden Stücks.
Mit kraftvoller Präsenz und technischer Brillanz setzte Toni Gu (Düsseldorf) am Klavier einen weiteren Höhepunkt: Der letzte Satz aus Beethovens „Pathétique“-Sonate erklang mit beeindruckender Energie und zugleich differenzierter Gestaltung – eine reife Interpretation, die das Publikum beeindruckte – und zudem den Ausschussvorsitzenden des Landeswettbewerbs Peter Nagy, der auch die Moderation des Konzerts übernahm. In seinem Interview mit dem Pianisten hatte man den Eindruck, es sprächen zwei Erwachsene miteinander.
Nach der ersten Ergebnisbekanntgabe folgte ein unterhaltsamer und eindrucksvoller Ensemblemoment: Die jungen Geigerinnen und Geiger Xinyue Jiang, Jakob Yihan Li, Hannah Unzen (alle aus Mönchengladbach) sowie Lizzy Chenxi Xu (Neuss) präsentierten gemeinsam das „Gruselett“ von Agnes Dorwarth. Ihr Zusammenspiel war geprägt von großer Aufmerksamkeit füreinander und einer lebendigen Umsetzung des humorvoll-skurrilen Charakters der Morgenstern-Vertonung.
Mit feiner Klangkultur und technischer Sicherheit überzeugte anschließend Elina Anqi Huo (Willich) an der Harfe mit einem Werk von Bernard Andrès. Ihr Spiel verband Eleganz mit rhythmischer Präzision und ließ die vielfältigen Farben des Instruments zur Geltung kommen. Wiederum für einen sowohl unterhaltsamen wie auch anspruchsvollen Moment sorgten die beiden Dortmunder Geiger Luis Tomillo und Ellen-Binna Lee mit dem Stück „Ich bin kein Fisch“ von Aleksey Igudesman. Spielfreude, Witz und musikalische Präzision begeisterten das Publikum.
Einen weiteren pianistischen Glanzpunkt setzte Philipp Kaiyan Peng (Köln) mit einem Präludium und einer Fuge von Schostakowitsch. Seine Interpretation überzeugte durch strukturelle Klarheit, Ausdruckskraft und Virtuosität. Einen besonderen vokalen Akzent setzte Ali Eren Kirmizidam (Heinsberg), begleitet von Takahiko Sakamaki (Aachen) am Klavier, mit „Do-Re-Mi“ aus „The Sound of Music“ mit Natürlichkeit, Ausdruckskraft und einer charmanten Bühnenpräsenz.
Den Schlusspunkt setzte schließlich Emily Paß (Langenfeld) am Drum-Set mit „Emilys Groove Galaxy“. Mit Rhythmusgefühl, Energie und musikalischer Eigenständigkeit begeisterte sie das Publikum und zeigte die stilistische Offenheit des Wettbewerbs. So erlebte das Publikum ein abwechslungsreiches und berührendes Konzert, das die große Bandbreite der Nachwuchsförderung widerspiegelte. Im Konzert verlas zudem Projektleiter Armin Eichenmüller die Ergebnisse der Kategorien, die am Tage abgeschlossen worden waren. Viel Applaus gab es für alle, die genannt wurden. Auffällig waren die Ernsthaftigkeit und Hingabe, mit der die jungen Teilnehmenden musizierten. Viele Beiträge zeigten eine erstaunliche künstlerische Reife. Gleichzeitig blieb die Freude am Musizieren stets spürbar
rvz
Fotos: Emily Paß mit Emilys Groove Galaxy;
Xinyue Jiang, Lizzy Chenxi Xu, Jakob Yihan Li und Hannah Unzen mit Agnes Dorwarths “Gruselett”;
Toni Gu mit Moderator Peter Nagy im Konzert der Jüngsten, Landeswettbewerb Jugend musiziert NRW, 21. März 2026 im Orchesterzentrum Dortmund; Fotos: LMR NRW.