Der Landtag gedachte der Opfer des Nationalsozialismus

Landtagsabgeordnete, Vertreter der Landesregierung und Vertreter der Bürgerschaft gedachten am 26. Januar 2020 der Opfer des Nationalsozialismus. Landtagspräsident André Kuper sowie Felix Zipfel, Luca Spanier, Tabea Haun und Karoline Breyer, das Devienne Quartett, eröffneten die Veranstaltung - das Ensemble mit dem Kopfsatz aus Schönbergs Streichquartett in d-Moll. Abraham Lehrer, Vorstand der Synagogengemeinde Köln, erinnerte an die Verbrechen, die Deutsche an Juden verübten und forderte eine bessere Erinnerungskultur. Sie müsse Teil des Curriculums für den Schulunterricht werden. „Jüdisches Leben in Deutschland spielte sich nicht nur zwischen 1933 und 1945 ab.“

Als Zeitzeuge war der 92jährige Gary Wolff mit seinen beiden Enkeln Danielle und Julian Wolff aus den USA angereist. Die beiden Enkel schilderten in einer gemeinsamen bewegenden Rede den Leidensweg Gary Wolffs aus der Düsseldorfer Immermannstraße, der als Kind als Jude der Schule verwiesen wurde, einen gelben Stern tragen musste, und mit seinen Eltern ins polnische Ghetto von Lodsch deportiert wurde. Die Eltern mussten ihren Betrieb an einen SA-Mann verkaufen und diesen auch noch anlernen. Nach einem Todesmarsch und Transport in Viehwaggons gelangte die Familie nach Auschwitz-Birkenau, wo die Eltern ermordet wurden. Gary überlebte nur knapp und reiste nach Kriegsende, von Typhus und Tuberkulose gezeichnet, über Großbritannien nach New York.

Die Abgeordneten und Besucher des Landtags applaudierten den beiden Enkeln stehend. Das Devienne Quartett verschaffte dem Ministerpräsidenten mit einer subtilen Interpretation von Philip Glass’ 6. Satz aus dem 3. Streichquartett einige Minuten Zeit, seine Rede umzustellen. Laschet ließ sein Manuskript beiseite und ging unmittelbar auf den Leidensweg von Wolff ein. Er übertrug die geschilderten Stationen auf die Situationen der Juden in Deutschland und leitete daraus Phänomene ab, die man heute wieder in Ansätzen beobachten kann. Das Land NRW trete Antisemitismus entschieden entgegen. „Wir schützen jüdische Einrichtungen - es ist ein Skandal, dass sie überhaupt geschützt werden müssen.“ Es gelte Toleranz und Demokratie zu verteidigen. „Auf diesem Fundament ist unser Staat gebaut und das lassen wir uns nicht kaputt machen!“ so Laschet.

Das Devienne Quartett, ein Förder-Ensemble des Kammermusikzentrums NRW, beschloss die Gedenkstunde mit Anton Weberns Langsamen Satz für Streichquartett. Der Landtagspräsident dankte den jungen Musikerinnen und Musikern enthusiastisch.

rvz

Fotos: Das Devienne Quartett bei der Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus im Landtag NRW; Rede des Ministerpräsidenten Armin Laschet; Fotos: LMR NRW.

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