Der Landesmusikrat Nordrhein-Westfalen setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, die kulturelle Vielfalt in Nordrhein-Westfalen zu stärken und Musik als verbindende Sprache einer offenen Gesellschaft zu fördern. Als Dachverband zahlreicher Musikverbände, Ensembles und Institutionen vertritt er nicht nur die Interessen des Musiklebens gegenüber Politik und Öffentlichkeit, sondern entwickelt auch konkrete Projekte, die interkulturellen Austausch, Teilhabe und musikalische Bildung fördern.
Mit der Gründung der neuen AG 5 – „Musik der Vielfalt in den Regionen“ hat der Landesmusikrat NRW im Jahr 2026 ein deutliches Zeichen für mehr kulturelle Diversität und gesellschaftliche Teilhabe im Musikleben gesetzt. Die Arbeitsgemeinschaft der Delegierten von fünf Mitgliedsverbänden widmet sich gezielt den vielfältigen musikalischen Ausdrucksformen in Nordrhein-Westfalen und bringt Initiativen, Vereine und Akteurinnen und Akteure aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten zusammen. Ziel ist es, Perspektiven der kulturellen und inklusiven Vielfalt stärker in die Arbeit des Landesmusikrats einzubinden und neue Impulse für diversitätsorientierte Zusammenarbeit zu schaffen. Die AG 5 versteht sich dabei als Plattform für Austausch, Sichtbarkeit und nachhaltige Vernetzung innerhalb der vielfältigen Musiklandschaft des Landes.
Mit dem Themenschwerpunkt „Zwischentöne“ rückt der Landesmusikrat NRW zudem den sensiblen und reflektierten Umgang mit musikalischer Vielfalt in den Mittelpunkt seiner Arbeit mit allen 60 Mitgliedsverbänden. Unter dem Titel „Zwischentöne – Umgang mit musikalischer Vielfalt“ werden Fragen von kultureller Aneignung, Diversität, Repräsentation und interkultureller Verständigung aufgegriffen. Ziel ist es, Musikverbände, Ensembles und Kulturschaffende für kulturelle Sensibilität zu stärken und Räume für offenen Dialog zu schaffen. Der Schwerpunkt macht deutlich, dass musikalische Vielfalt nicht nur eine künstlerische Bereicherung darstellt, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung bedeutet.
Auch die Fachtagung „AI MusicCon“ am 15. Juli 2026 in Köln widmet sich dem Thema KI, Musikleben und kulturelle Vielfalt. Die Tagung stellt die Frage in den Mittelpunkt, wie Künstliche Intelligenz kreative Prozesse in unterschiedlichen kulturellen Kontexten beeinflusst und welche Chancen und Risiken sich daraus für Diversität, Teilhabe und künstlerische Identität ergeben. In Vorträgen, Panels und Workshops diskutieren Expertinnen und Experten aus Musik, Kultur, Wissenschaft und Technologie über die Verantwortung der Musikbranche im Umgang mit KI. Damit verbindet die AI MusicCon aktuelle technologische Entwicklungen mit zentralen kulturpolitischen Fragen und unterstreicht die Bedeutung kultureller Vielfalt auch im digitalen Zeitalter.
Ein Schwerpunkt des Landesmusikrats liegt auf der Förderung inter- und transkultureller Musikprojekte. So unterstützt der Landesmusikrat NRW Programme, die Musikerinnen und Musiker unterschiedlicher kultureller Herkunft und musikalischer Prägung zusammenbringen und neue Formen musikalischer Zusammenarbeit ermöglichen. Der Repräsentation von Musikerinnen und Musikern mit Flucht- und Migrationsgeschichte in leitenden Positionen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Regelmäßig stattfindende Netzwerktreffen bieten eine Plattform für Austausch, Begegnung und Sichtbarmachen der kulturell vielfältigen Amateur- und Profimusikszene Nordrhein-Westfalens.
Darüber hinaus engagiert sich der Landesmusikrat NRW intensiv im Bereich der musikalischen Bildung. Kooperationen seiner Mitgliedsverbände und von deren Mitgliedsvereinen mit Schulen, Musikschulen, Kindertageseinrichtungen und sozialen Einrichtungen sollen möglichst vielen Menschen Zugang zur Musik ermöglichen – unabhängig von Herkunft, Alter oder sozialem Hintergrund. Initiativen wie das „Netzwerk Kitamusik NRW“ fördern bereits früh den selbstbestimmten Umgang mit Musik und stärken kulturelle Teilhabe von Kindern.
Auch die Amateurmusikförderung trägt zur kulturellen Vielfalt bei. Der Landesmusikrat NRW unterstützt Chöre, Ensembles, Bands und Vereine aus unterschiedlichsten musikalischen Traditionen – von klassischer Musik über Jazz bis hin zu Pop- und Weltmusik. Besonders hervorgehoben werden dabei interkulturelle Projekte, die gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und neue musikalische Perspektiven eröffnen.
Ein Beispiel für das Engagement des Landesmusikrats NRW im Bereich musikalischer Vielfalt ist der Wettbewerb „creole NRW“. Der Wettbewerb bietet Bands und Ensembles eine Bühne, die unterschiedliche kulturelle Einflüsse kreativ miteinander verbinden und neue musikalische Ausdrucksformen entwickeln. Dabei stehen nicht nur musikalische Qualität, sondern auch interkultureller Dialog und gesellschaftliche Offenheit im Mittelpunkt. Am 25. und 26. September wird der Wettbewerb das nächste Mal im domicil Dortmund ausgetragen. „creole NRW“ zeigt, wie vielfältig die Musiklandschaft Nordrhein-Westfalens ist und wie Musik Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft schlagen kann. Durch die Förderung innovativer Projekte der musikalischen Vielfalt stärkt der Landesmusikrat NRW zugleich die Sichtbarkeit von Künstlerinnen und Künstlern mit internationalen kulturellen Wurzeln.
Auch mit dem Projekt „EYWAH!“ engagiert sich der Landesmusikrat NRW gezielt für kulturelle Teilhabe und musikalische Nachwuchsförderung. Der Workshop und Wettbewerb richtet sich insbesondere an junge Musikerinnen und Musiker aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten und fördert kreative Begegnungen zwischen verschiedenen Musikstilen und Traditionen. In Workshops, Coachings und Bühnenformaten erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, eigene musikalische Ideen weiterzuentwickeln und voneinander zu lernen. „EYWAH!“ steht damit beispielhaft für eine moderne und offene Musikförderung, die Diversität als Bereicherung versteht und jungen Menschen Raum für künstlerische Entfaltung gibt.
Auch im Bereich der Popmusik setzt sich der Landesmusikrat NRW gemeinsam mit seinen Partnern aktiv für kulturelle Vielfalt und Nachwuchsförderung ein. Mit Projekten wie create music NRW werden junge Künstlerinnen und Künstler, Bands und Produzent*innen aus unterschiedlichsten musikalischen und kulturellen Hintergründen unterstützt. Das Netzwerk stärkt die Popkultur in Nordrhein-Westfalen durch Workshops, Coachings, Vernetzungsangebote und Förderung. Darauf setzt das Popförderprogramm popNRW auf, dass die qualitative Spitze der Bands auf Festivals außerhalb NRWs präsentiert und mit dem popNRW-Preis ein Schlaglicht auf Pop aus NRW wirft. Beide Projekte verdeutlichen, dass moderne Popförderung nicht nur musikalische Qualität stärkt, sondern auch Diversität, kreative Offenheit und gesellschaftliche Teilhabe fördert.
Gemeinsam mit dem Förderprojekt New.Heimat.Sounds hat create music NRW auch die Plattform showcase.nrw aufgebaut, die die Vielfalt der nordrhein-westfälischen Popmusik sichtbar macht und vor allem erkennbar werden lässt, wo genau sie entsteht. Alles lässt sich dort detailliert filtern, z.B. auch, ob der Hiphop aus Münster oder der Metal aus dem Siegerland auch unter Beteiligung von FINTA*-Personen gemacht wird, welche Sprache die selbst komponierten Songs haben oder in welchem Alter die Musikerinnen und Musiker sind. Auf diesem Wege können Veranstaltenden in NRW auch vielfältige Line-ups buchen.
Ergänzend dazu schafft das Portal „Musikkulturen NRW“ eine wichtige Plattform zur Sichtbarmachung der musikalischen Vielfalt im Land. Das digitale Angebot informiert über Künstlerinnen und Künstler, Ensembles, Projekte und Veranstaltungen aus unterschiedlichsten Musiktraditionen und macht damit die große Bandbreite kultureller Ausdrucksformen in Nordrhein-Westfalen zugänglich. Gleichzeitig dient das Portal als Netzwerk für Akteurinnen und Akteure der interkulturellen Musikszene und unterstützt den Austausch zwischen Institutionen, Kulturschaffenden und Publikum.
Mit seiner Arbeit tritt der Landesmusikrat NRW für ein offenes und vielfältiges Kulturleben ein. Musik wird dabei nicht nur als Kunstform verstanden, sondern auch als Mittel der Begegnung, des Dialogs und der gesellschaftlichen Integration. In einer pluralen Gesellschaft schafft kulturelle Vielfalt Räume für gegenseitiges Verständnis und stärkt den demokratischen Zusammenhalt.
rvz