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Akkordeon in all seinen Facetten - Musikalisches Finale der Ausstellung in der cubus kunsthalle Duisburg

Das Akkordeon ist weit mehr als ein Volksmusikinstrument: Es ist ein technisches Meisterwerk, ein Stück Kulturgeschichte und ein vielseitiges Konzertinstrument mit faszinierenden Klangmöglichkeiten. Wie facettenreich seine Entwicklung und seine musikalische Welt sind, zeigte die umfangreiche Ausstellung, die vom 4. September bis zum 18. Oktober 2026 in der Cubus Kunsthalle Duisburg zu sehen war. Mit einer Finissage und einem Konzert unter dem Titel „Weltweite Schätze“ fand sie einen klangvollen Abschluss.

Anlass für die Ausstellung war die Wahl des Akkordeons zum „Instrument des Jahres 2026“. Kurator Ralf Kaupenjohann hatte, unterstützt von Verena Funtenberger, rund 30 überwiegend historische Instrumente zusammengetragen, die eindrucksvoll die Geschichte und Entwicklung des Handzuginstruments veranschaulichten. Die Ausstellung machte deutlich, wie viel Erfindergeist, handwerkliche Präzision und klangliche Vielfalt in dieser Instrumentenfamilie stecken.

Der Bogen spannte sich von frühen Handbalginstrumenten und der französischen Flutina über die Wiener Schrammelharmonika bis zum russischen Bajan sowie zu heutigen Akkordeons renommierter deutscher und italienischer Hersteller. Die historische Entwicklung wurde bis zur Patentanmeldung des „Accordions“ durch Cyrill Demian im Jahr 1829 zurückverfolgt. Begleitende Texte, Informationstafeln und -fahnen vermittelten Wissenswertes über die Geschichte des Instruments, seine rasche Verbreitung und seine technische Weiterentwicklung. Ein eigener Ausstellungsbereich widmete sich den verschiedenen Bauarten – vom diatonischen Instrument über das Pianoakkordeon bis zum chromatischen Knopfakkordeon – und erläuterte Aufbau, Mechanik und Spielweisen.

Historische und zeitgenössische Fotografien, Noten, Schallplattencover und weitere Dokumente machten zugleich die kulturelle Bedeutung des Akkordeons sichtbar. So konnten die Besucher nachvollziehen, wie es sich vom anfänglichen Spielzeug über das Volksmusikinstrument zum ausgereiften Konzertinstrument entwickelte, das heute in Klassik, Volksmusik, Jazz, Tango und Neuer Musik gleichermaßen seinen Platz hat.

Ein aufgeschlagenes Buch über das Akkordeon

Bei der Finissage am Sonntag, 18. Oktober, ließ Ralf Kaupenjohann die Entwicklung des Akkordeons noch einmal Revue passieren. Dr. Claudia Schaefer, Gründerin und Direktorin der cubus kunsthalle, fand eine besonders treffende Beschreibung für das Ausstellungskonzept: „Die Ausstellung ist wie ein aufgeschlagenes Buch, das man begeht und in dem man alles über das Akkordeon nachlesen kann.“

Es gab viele Parallelen zur vorherigen Präsentation im Haus Kemnade. Es waren wieder 30 Instrumente mit instruktiven Informationstafeln und -fahnen ausgestellt, dieses Mal allerdings sehr konzentriert in einem Raum und einem kleinen Nebenraum. Schon von außen war die Ausstellung unübersehbar gewesen: Auf der Straße hing ein Riesenbanner, das auf die Ausstellung hinwies. Und über dem Eingang ebenso – sehr einladend für die Gäste.

Auch Nico Gutu, der bereits die Vernissage musikalisch gestaltet hatte, zeigte sich begeistert von der Präsentation. Er freute sich besonders darüber, dass Passanten die zahlreichen Instrumente bereits von außen aus entdecken konnten. Seine spontane Reaktion: „Was für ein schöner Ort“.

Gutu selbst war überrascht von der Vielfalt der ausgestellten Instrumente. Es gebe so viele Varianten, von denen er bislang nicht einmal gewusst habe. Deshalb hatte er die Ausstellung auch Freunden empfohlen und dafür sehr positive Rückmeldungen erhalten. Selbst ohne eine Führung durch den Kurator habe man sich ein gutes Bild von der Entwicklung des Akkordeons und den weiteren Instrumenten aus der Familie der Handzuginstrumente machen können. Dass die Ausstellung bei freiem Eintritt zugänglich war, machte dieses Angebot zusätzlich attraktiv.

„Weltweite Schätze“ – eine musikalische Entdeckungsreise

Nach den Einblicken in die Instrumentengeschichte ging es musikalisch weiter. Beim Konzert „Weltweite Schätze“ begegneten sich die bulgarische Geigerin Angelina Nalbantova, Mitglied des Göttinger Symphonieorchesters, und der aus Moldawien stammende Akkordeonist Nico Gutu. Gemeinsam nahmen sie das Publikum mit auf eine Reise durch unterschiedliche musikalische Traditionen und Klangwelten.

Wie viele Melodien aus der Dorf- und Bauernhochzeitsmusik gibt es noch zu entdecken? Diese Frage stand sinnbildlich für das Anliegen des Programms. Nico Gutu wollte Folklore aus verschiedenen Perspektiven professionell vorstellen: mit Blick auf die klassische Musik ebenso wie auf unterschiedliche Länder, den Jazz und den Tango. Das Duo zeigte eindrucksvoll, welche musikalischen Schätze Osteuropa rund um Rumänien, aber auch Argentinien, Frankreich und Spanien zu bieten haben.

Das Programm verband traditionelle Einflüsse mit anspruchsvoller Konzertmusik und überraschenden stilistischen Verbindungen. Auf dem Programm standen Béla Bartóks „Rumänische Volkstänze“, Nico Gutus eigene Komposition „Moldomania“, Stéphane Grappellis „Les Valseuses“ und Astor Piazzollas „Escualo“. Die Nähe zum improvisierten Jazz war außerdem spürbar in Chick Coreas Jahrhundertkomposition „Spain“. Die Stücke eröffneten unterschiedliche Klangräume und ließen die Möglichkeiten der idealen kammermusikalischen Kombination von Violine und Akkordeon lebendig werden.

Die individuellen Ausdrucksmöglichkeiten beider Musiker kamen dabei voll zur Geltung.

Nico Gutu freute sich über die äußerst positive Resonanz auf das Konzert. Auch danach nahm er sich Zeit, zahlreiche Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

Die Ausstellung war Teil der bundesweiten Aktivitäten zum „Instrument des Jahres 2026“. Schirmherr in Nordrhein-Westfalen ist der Schauspieler und Musiker Ulrich Tukur. Es ist ein Instrument mit einer reichen Geschichte, einer beeindruckenden technischen Entwicklung und einer musikalischen Welt, die immer wieder neue Entdeckungen ermöglicht.

(Anita Brandtstäter)

Fotos: Verena Funtenberger und Dr. Claudia Schaefer