Workshop Improvisierte Musik für junge Frauen

Der Anteil von Musikerinnen in der aktuellen Szene improvisierter Musik in NRW ist sehr gering. Er ist so gering, dass weibliche Namen in den Ankündigungen von Programmen des Jazz, der avancierten Improvisierten Musik oder der improvisierten Weltmusik sehr auffallen. Dieser Missstand ist im Bereich des Liebhabermusizierens ebenso zu beobachten wie beim Nachwuchs und wirkt in der professionellen Szene geradezu extrem. Einzusehen ist das nicht. Wieso sollten Frauen weniger gut improvisieren können als Männer? Wieso sollten wir unser Kulturleben um die besonderen Impulse bringen, die Musikerinnen der Improvisierten Musik geben können? Und wieso sollten Frauen weniger von den Bildungsvorteilen haben, die die Fähigkeit zum musikalischen Improvisieren mit sich bringt?

Dass Frauen des Jazz improvisierend zu einer sehr eigenen persönlichen Ausdruckssprache gelangen können, die von Musikerinnen und Musikern sehr gerne aufgeriffen wird, haben Künstlerinnen aus NRW wie Angelika Niescier, Ulla Oster und Julia Hülsmann bewiesen. Doch in der improvisierten Musik des Jazz samt seinen angrenzenden avancierten Stilbereichen fehlen die Vorbilder und die Foren, in denen junge Frauen unbelastet vom Schubladendenken lernen, arbeiten und ausprobieren können.

Der Workshop Improvisierte Musik schafft ein solches Forum. Mädchen und junge Frauen lernen hier von ausgewiesenen Musikerinnen des Genres, wie man ohne vorherige Vorbereitung und Selbstfestlegung eine eigene künstlerische Sprache im Zusammenspiel mit anderen entwickelt. Es geht keineswegs darum, Pattern für eine Jamsession einzuüben, sondern es geht um die spontane Artikulation künstlerischer Ideen im Ensemble, um Dialoge, die nicht nur die anderen Ensemble-Mitglieder anregen, sondern auch den Zuhörern eine musikalische Kommunikation eröffnen.

An zwei Wochenenden im November und Dezember 2007 hat der Landesmusikrat in Bielefeld zum ersten Mal den Workshop "FreiSpiel – Improvisierte Musik für junge Frauen" angeboten; die Abschlusspräsentation fand im Bunker Ulmenwall statt, der Mitveranstalter des Workshops war. Julia Hülsmann (piano) und Angelika Niescier (saxophon) konnten als Dozentinnen gewonnen werden.

Ein zweiter Workshop fand im Oktober und November 2008 statt. Dozentinnen waren Ulla Oster (bass) und Christina Fuchs (saxophon). Die Teilnehmerinnen präsentierten am 9. November die Früchte ihrer Arbeit im Bunker Ulmenwall, der wie im Vorjahr Mitveranstalter des Workshops war.

Den dritten Workshop im November 2009 leiteten wie bereits 2006 Julia Hülsmann (piano) und Angelika Niescier (saxophon). Am 22. November präsentierten die Teilnehmerinnen ihre Arbeitsergebnisse im Bunker Ulmenwall, der wiederum Mitveranstalter war.

Im Jahr 2010 konnte kein Workshop angeboten werden.

Der bislang letzte Workshop fand an den Wochenenden 18.-20. November und der 9.-11. Dezember 2011 statt. Die beiden Dozentinnen Christina Fuchs und Ulla Oster vermittelten Grundlagenkenntnisse der Improvisation und führten Elemente der orientalischen Musik als Inspirationsquellen ein. Veranstaltungorte waren wiederum die Musikschule POW und der Bunker Ulmenwall (Abschlusskonzert am 10.12.11).

Der Workshop Improvisierte Musik ist ein Förderprojekt des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW. Teilnahmeberechtigt sind junge Frauen von 16 bis 27 Jahren mit Wohnsitz in NRW.