Von Musik leben

Wer im Musikleben von freischaffenden Tätigkeiten leben möchte, muss sich in einem Markt behaupten, der gegenwärtig gravierende Veränderungsprozesse erlebt. Die Distribution von musikalischen Leistungen hat Möglichkeiten, die man vor einigen Jahrzehnten nicht einmal erahnte, und sie birgt Erlöse an allen möglichen Stellen der Verwertungskette, doch kaum bei den Urhebern. Die rechtlichen Rahmenbedingungen stehen unter beständigem Druck von Lobbyisten.

Berufe im Musikleben, die noch vor Jahren mit Anstellungen verbunden waren, werden heute in freien Vertragsformen, oft in prekären Situationen, ausgeübt: Musikschullehrer/ innen, Verlagslektor/innen, Festivalorganisator/innen und viele mehr.

In den Gremien des Landesmusikrats sind diese Situationen und Nöte in verschiedensten Themenfeldern angesprochen worden. Einige Diskussionen, zumal in der Arbeitsgemeinschaft "Musik in Beruf, Medien und Wirtschaft" (AG4), mündeten in Ergebnispapiere, die über das Präsidium bzw. über den Kulturrat NRW veröffentlicht und weiter verfolgt wurden. Eine zusammenhängende Sicht der Probleme steht aus und soll in den nächsten beiden Jahren versucht werden.

Themenfelder und Fragen, die in Sitzungen der AGs behandelt wurden, sind etwa:

1. Künstler und Verlagspartner / Verwerter

Vereinbarungen zwischen Künstlern und Verlagspartnern / Verwertern regeln üblicherweise:
- Was bekommt der Künstler an Support?
- Wie groß ist die Kampagne, welche Marketing- und Vertriebspower hat der Verlagspartner / der Verwerter?
- Wie hoch ist das Investment in seine Karriere?
- Ausschüttung des Gewinns

Was regeln Vereinbarungen künftig, um faire Erlösmodelle zu gewährleisten?

2. Physische Tonträger und Live-Konzerte versus Streaming und Download

2004 hatte die Musikbranche in Deutschland ein Prozent digitalen Umsatz, 2018 waren es rund 50 Prozent. Bei den Streamingdiensten entstehen mächtige Anbieter. Spotify plant den Börsengang, Amazon expandiert mit Musikangebot. Das Gesamtvolumen des Markts ist weiterhin da, es kommt nur bei den ausübenden Künstlern wie auch bei den Komponisten, aber auch bei Verlagen oder Labels weniger an.

- Verteilung benötigt juristische und politische Rahmenbedingungen.
- Das EU Urheberrecht ist von existenzieller Bedeutung.
- Wer führt die Verhandlungen bezüglich der Interessen der Plattformen und denen der Künstler?
- Kaufen Konsumenten Alben eines elektronisch arbeitenden Künstlers?

3. Auftragsmusik: Filmmusik, Schauspielmusik, Hörspiel

- Honorare, Rechteentgelt und der Einsatz geschützter Werke in Mediatheken
- Verwertungsgesellschaften, Creative Commons, Lizenzhandel

4. Musikalische Gelegenheitsgeschäfte

- Festhonorare versus Beteiligung am Eintrittserlös („auf die Tür“/“auf den Hut“)
- Verlagerung von Aufgaben der Bewerbung und der Organisation von der Spielstätte zum Künstler

5. Freiberufliche Musikerinnen und Musiker in prekären Lebenslagen

- Soziale Absicherung von freiberuflichen Musiker/innen und Musikpädagog/innen (KSV, GKV, PKV)
- Schlechtere Rahmenbedingungen von Honorarkräften gegenüber Festangestellten am öffentlichen Musikschulen (Verdienst, Krankheit, Zusammenhangstätigkeit)
- Lage der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen
- Mit dem Alter rechnen: Wie viel muss ich heute verdienen, um als Rentner/in nicht unter die Grundsicherung zu fallen?

Der Themenschwerpunkt “Von Musik leben“ will die Behandlung dieser Fragen systematisieren und nach ausführlicher Diskussion von Einzelthemen in eine zusammenhängende Tagung führen.

Beisitzer im Präsidium des Landesmusikrats:
Lena Jeckel, Thomas Kipp

Die Auftaktveranstaltung "Von Musik leben: Faire Erlösmodelle" findet am 12.11.2019, 18-21 Uhr, im Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf statt. Sie wurde von Matthias Hornschuh und Robert v. Zahn in Zusammenarbeit mit Creative NRW und dem Referat Kreativwirtschaft des Wirtschaftsministeriums vorbereitet; Als Moderator konnte Peter Grabowski gewonnen werden. Eine Veranstaltungsübersicht folgt in Kürze. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf statt.