Individuelle Wege musikalischer Bildung

Der Weg zu musikalischem Wissen und Können führt über kontinuierliche Arbeit und lange Bildungsprozesse. Wechsel der Bildungssysteme und Auszeiten sind dabei wenig hilfreich. In den Kindertagesstätten spielt Musik allenfalls noch eine untergeordnete Rolle, und mehr noch haben der Rückgang des Musikunterrichts in der Schule, Stundenausfälle und fachfremd gegebener Unterricht die Bildungskontinuität reduziert.

Problemlösungen gibt es, doch sie zeigen sich – so verdienstvoll sie im Einzelfall sein mögen – als Flickenteppich. Projekte in Kindertagesstätten versuchen, Singen in den Alltag zu integrieren, entsprechende Fortbildungsangebote umwerben Erzieherinnen, und Musikpädagogen bieten sich den Kitas als Partner an. In der allgemeinbildenden Schule sorgen Projekte wie „Kultur und Schule“, „Kulturagenten“ und Initiativen im Offenen Ganztag für vereinzelte Bildungserlebnisse. Das in Kooperation mit den Musikschulen durchgeführte Programm „Jeden Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ (JeKits) bietet Kindern an teilnehmenden Schulen eine musikalische Grundbildung und erste Erfahrungen mit einem Instrument. Aber wie geht es nach den zwei Jahren weiter? Kontinuitäten können alle diese Ansätze nicht herstellen. Und die Ausdehnung der schulischen Zeiten im Alltag von Kindern und Jugendlichen marginalisiert auch das Musizieren in der Freizeit.

Einen guten Teil der aktuellen musikalischen Bildung eignen sich Kinder und Jugendliche im nicht-formalen Raum an. Youtube bestimmt den musikalischen Erlebnishorizont.

Die Delegierten der Mitgliedsverbände im Landesmusikrat sind sich darüber einig, dass kontinuierliches musikalisches Lernen effektiver ist als kurzfristige Ersatzangebote. Im Rahmen des Themenschwerpunkts bilanzieren sie die derzeitige Situation, reflektieren die Rollen der verschiedenen Akteure und suchen in den Jahren 2017 und 2018 Lösungsansätze.

Beisitzer im Präsidium des Landesmusikrats:
Prof. Dr. Susanne Keuchel, Prof. Dr. Andreas Lehmann