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Besondere Projekte

Foto: Das JZO in Kabakovs Palast der Projekte

Das Jugendzupforchester zeigt sich gerne in besonderen Konzert- und Programmzusammenhängen. Neben traditionellen Konzertformen spielt es „open air“ vor der Kulisse eines Kraftwerks in Bergheim, live zu Filmen, mitten in Kunstwerken und auf Plätzen des öffentlichen Alltags ebenso wie in feudal geprägten Architekturen. Kein Genre bleibt ihm verschlossen, Brückenschläge zur Pop-Musik gehören zur Arbeit, aber auch Klanginstallationen, die Musik anderer Kulturkreise und immer wieder die Avantgarde. Mit Gitarre, Mandoline und Bass gleiten die Musikerinnen und Musiker durch die fließenden Kaskaden amerikanischer Minimalmusic, sie stellen sich der brachialen Wucht eines Michael Nyman und sie malen die lyrische Pracht Kuwaharas aus.

Dass das JugendZupfOrchester NRW überall spielfähig ist, bewies es 2006 mitten im Kraftwerk Niederaußem. Ein Strukturprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen, die "Regionale 2010", hatte zum "Langen Tag der Region" auf das Gelände des RWE-Kraftwerks geladen. Rund 500 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft sowie die gesamte Projektträgerschaft der Regionale 2010 waren zusammengekommen. Für die Musik sorgte das JugendZupfOrchester NRW. Aus den Reihen des Orchesters heraus sendete die "Lokalzeit" des WDR-Fernsehens. Die Musiker hatten sich mit dem Moderator in die Kraftswerkslandschaft gestellt, so dass die Kamera mit eleganten Fahrten Mandolinen und Gitarren mit Werkskuppeln verbinden konnte.

In Bezug auf benachbarte Kulturen ist die Ba?lama für ein Zupforchester von besonderer Bedeutung. In der Türkei und weit hinein in den arabischen Raum ist die Ba?lama ein weit verbreitetes Instrument sowohl volkstümlicher Kulturen als auch mehr und mehr von Kunstmusikformen. Das JugendZupfOrchester NRW hat das Glück, das ihm auch Ba?lama-Spieler verbunden sind, die als Gitarristen mitwirken. Eine besondere Rolle spielt Koray Berat Sari, Gitarrist, Ba?lama-Virtuose, Dozent des Orchesters und auch Komponist. Seine Konzert für Solo-Ba?lama und Zupforchester brachte das Ensemble im Juni 2009 im Essener Katakomben-Theater zur Uraufführung. Koray Berat Sari hatte darin türkische Volksweisen in zeitgenössische Arrangements für Ba?lama und Zupforchester verwandelt. Er selbst bestritt den Solo-Part, Christian de Witt leitete das Orchester. Auch als Teil des Rahmenprogramms zum Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Essen fand das Konzert besondere Beachtung.

Dass ein Zupforchester sich auch in einem ganz anderen Genre souverän bewegen kann, bewies das Ensemble unter Christian de Witt mit Konzerten von 2008 und 2009, die sich der Rockgruppe Dream Theatre widmeten. Für die Arrangements sorgte Sebastian Leonhardt, Mitglied des Orchesters und zudem E-Gitarrist. Besonders kam sein Arrangement der "Ouvertüre 1928" von Dream Theatre an, bei dem er selbst den Solo-Part übernahm.

Im August 2009 führte das Orchester im Festival „Kölner Kinonächte“ eine Filmmusik live zum Film auf. Es handelte sich um Michael Nymans Komposition zum Dokumentarfilm von Dziga Vertov von 1929, „Der Mann mit der Kamera“. Der Film zeigt einen Tag im Leben einer russischen Stadt und entwirft dabei ein Kaleidoskop menschlichen Alltags in der urbanen Moderne. Christian de Witt hatte Nymans Komposition von 2001 für Zupforchester bearbeitet. Die Fassung steht der Minimal Music Nymans exzellent und sie verdichtet sich mit der Ästhetik Vertovs zu einer bemerkenswerten Intensität. Nach dem zweistündigen Sog applaudierte das Kölner Festival-Publikum stehend. Im Dezember 2009 führte das Orchester Musik und Film auch in der Essener Lichtburg auf.

Gerne spielen die Musiker in Kabakovs „Palast der Projekte“. Der Komplex aus Räumen, die Kabakovs realisierte und nichtrealisierte Kulturprojektideen vorzeigen oder modellhaft entwerfen, führt den Besucher im Salzlager der Zeche Zollverein durch eine schneckenförmige Architektur, die aus Holz, Pappe und Papier besteht. Und die zuweilen durch die Klänge von Mandolinen und Gitarren, von Kontrabässen und Perkussion belebt wird. Im November 2011 führte das Orchester eine offene Komposition von Stephan Froleyks und Silvia Ocougne im Kunstwerk auf und begeisterte das Publikum des Festivals „NOW“ in Essen.

Augenmerk gilt auch der Vermittlung von Musik und der kreativen Arbeit mit Schulklassen. Im Projekt "Haste Töne? – So klingt Schule!" des NRW Kultursekretariats arbeitete das JugendZupfOrchester 2013 mit sieben nordrhein-westfälischen Komponisten zusammen, die Schulklassen in ganz NRW anleiteten, kollektiv zu komponieren. David Paul Graham, Stefan Hakenberg, Hans W. Koch, Brigitta Muntendorf, Oxana Omelchuk, Andreas Pasieka und Gerhard Stäbler begleiten als Coaches mit Ratschlägen, kritischen Anmerkungen und kompositionstechnischen Tricks. Das JugendZupfOrchester war dabei Werkstatt-Ensemble, das die Ergebnisse von September 2012 bis Juni 2013 testete und schließlich an die Öffentlichkeit brachte. Am 15. Juli 2013 führte es im Theater Duisburg Kompositionen aus 13 Schulklassen auf. Musiker der Duisburger Philharmoniker unterstützten es dabei, weil sich manche der Kreativen mit der Besetzung von Gitarren, Mandolinen und Bässen nicht begnügen wollten. Sogar Elektronik wurde einbezogen. Über das mitreißende Ergebnis berichtete auch das WDR-Fernsehen.

Wer sich einen Eindruck von der musikalischen Arbeit des JugendZupfOrchesters NRW machen möchte, dem ermöglicht dies der Dokumentarfilm, den der Filmemacher Ertan Erdogan 2011 erarbeitet und auf Youtube zugänglich gemacht hat. Das Ensemble gastierte in Brüggen, einer idyllischen kleinen Stadt im Kreis Viersen, und hob am 3. Juli 2011 ein neues Werk von Dieter Kreidler aus der Taufe: „Nippon bebt“ ist eine Reflexion der Katastrophe von Fukushima, teilweise Programmmusik, teilweise Spiegel von Emotionen. Zudem interpretierte der Schlagzeuger Marcel Morikawa zusammen mit dem Orchester Dietrich Erdmanns "Concertino für Xylophon, Metallophon und Zupforchester" sowie Sebastian Gokus Ottmar Gersters "Capriccietto für vier Pauken und Streichorchester" in einer Bearbeitung für Zupforchester von Christian de Witt. Der Film ist zu sehen unter www.youtube.com/watch .

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