Zukunft der Kulturinstitutionen in einer digitalen Welt: Diskussion von WDR3, Rat für kulturelle Bildung und Kulturrat NRW

Über die Zukunft der Kulturinstitutionen in einer digitalen Welt diskutierten am 1. Oktober 2019  im Kleinen Sendesaal des Kölner WDR-Funkhauses Prof. Dr. Susanne Keuchel (Direktorin der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW), Prof. Dr. Benjamin Jörissen (Mitglied des Rates für Kulturelle Bildung; Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Kultur, ästhetische Bildung und Erziehung, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Michael Eickhoff (Dramaturgie, Akademie für Digitalität und Theater Dortmund, Chefdramaturg am Schauspiel Dortmund) und Dr. Norbert Sievers (Leiter des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. und Geschäftsführer des Fonds Soziokultur). Zu dem Gespräch eingeladen hatten der Rat für Kulturelle Bildung, WDR3 und der Kulturrat NRW.

Moderatorin Prasanna Oommen fragte nach der Rolle von Smartphones und Tablets als Werkzeuge des kulturellen (Bildungs-) Prozesses und forderte die Teilnehmenden auf, kulturpolitische Forderungen zu formulieren.

Susanne Keuchel mahnte einen Blick auf die gesamtgesellschaftliche Dimension der digitalen Entwicklung an und forderte dazu auf, sich die Frage zu stellen, was wir digital wie gestalten wollen. Das Entwerfen solle im Mittelpunkt stehen, nicht das Reagieren. Sie plädierte für ein europäisches System analog-digitaler Gestaltungsmöglichkeiten und Erlebniswelten.

„Digitalisierung geht nicht mehr weg“ konstatierte Michael Eickhoff und bezeichnete es als Aufgabe der Kulturinstitutionen, Inhalte und Formate neu zu definieren. Es brauche Mut, die Grenzen der Kultur zu verlassen. Frei nach dem Motto: Enjoy complexity. Auch die Auseinandersetzung mit „Nicht-Kulturleuten“ sei notwendig und fruchtbar.

Benjamin Jörissen brachte die Einrichtung modellhafter Kulturinstitutionen ins Spiel, die bereit sind, die Bereiche Technik und Kultur zu verbinden und sich von der strikten Spartentrennung, die seit 200 Jahren in Europa herrsche, zu verabschieden sowie künstlerische „Potenziale quer zu nutzen“. Berufswunsch Nummer 1 unter Jugendlichen sei derzeit „Influencer“, klassische Genregrenzen spielten für sie kaum noch eine Rolle, sie schafften fluidere Formate, mit denen sie permanent „on stage“ seien.

Die Kulturpolitik ist aufgefordert, darüber nachzudenken, was Digitalisierung eigentlich heißt, so Norbert Sievers. In diesem Zusammenhangt mahnte er auch an, die Institutionen zu stärken und sich von der oftmals reinen Projektförderung zu verabschieden, die eine Verstetigung verhindere.

(Catalina Rojas-Hauser)

Fotos: v.l.n.r.: N. Sievers, S. Keuchel, P. Oommen, M. Eickhoff, B. Jörissen; Fotos LMR NRW.

 

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