Seminar „Selbstvermarktung und Labelgründung“ des VUT West in Düsseldorf

Am 11. Dezember fand das erste Seminar des VUT West (Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V.) zum Thema „Selbstvermarktung und Labelgründung“ im Düsseldorfer Kulturamt statt.

Die Veranstaltung war gut besucht, die Stimmung der Teilnehmer entspannt. Neben Kaffee und Apfelschorle gab es eine kurze Begrüßungsansprache der Kulturamtsleiterin Marianne Schirge und des Teamleiters für Musikförderung im Kulturamt Michael Dimitrov, bevor es zum inhaltlichen Teil überging.

Was ist zu tun, wenn man ein Label gründen möchte?

Referent Frank Kühl (Smarten Up Musikverlag) gab einen Überblick über die wichtigsten Schritte: neben Klärung der Rechtsform, Gewerbeanmeldung, Steuern und Lizenzverträgen ging es vor allem um den LC Labelcode und seine Funktionen. Die Frage, ob man einen Labelcode benötigt, um im Radio gespielt werden zu können, beantwortet er mit einem klaren Ja. „Die Radiostationen brauchen den Labelcode, da sie nur Musik spielen dürfen, die auch vergütet werden kann. Der LC Labelcode wird von der GVL und GEMA zur Abrechnung von Tantiemen an die Urheber und Verlage genutzt. Diese Abrechnungen geben auch Auskunft über z.B. die Reichweite und Häufigkeit der gespielten Titel.“ Bei der GEMA-Lizensierung und dem Kauf des Erstinhaberschlüssels für den ISRC-Code (IFPI) lohne es sich, so Kühl, VUT-Mitglied zu sein, da man dank der vom Verein ausgehandelten Rahmenverträge Vergünstigungen erhalte.

Anschließend wurde über Lizenzabrechnung, Künstlersozialabgaben und den Barcode gesprochen. Da der Großteil der Teilnehmer bereits in der Kulturwirtschaft tätig ist; u.a. als Label-Inhaber/in, Musikmanager/in, Verlagsleiter/in, gab es sehr spezifische und der Verbesserung der Arbeit des eigenen Betriebs dienende Nachfragen. Wer als selbstvermarktender Künstler sein eigenes Label gründen möchte, erhielt aber auch erste Tipps zur Vorgehensweise. In diesem Fall könne man sein Werk bei der GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) als „Eigenveröffentlichung“ eintragen und die Pressrechnung einreichen. Alle anderen zuvor genannten Schritte wären jedoch dieselben.

Im zweiten Teil der Veranstaltung referierte Manuela Nikele (H’art Musik, Fit For Fame) über die Beziehungen zwischen Label und Vertrieb.

Was macht ein Vertrieb? Ein Vertrieb ist für den Warenfluss in den Handel zuständig . Die Vertriebe unterscheiden sich in Details wie Genres, in denen sie besonders stark sind, die Fokussierung auf Vinyl oder DVD oder die nationale / internationale Ausrichtung. Außerdem unterscheidet man zwischen dem physischen und dem digitalem Vertrieb.

Heutzutage sei es sehr sinnvoll, so Frau Nikele, den physischen und den digitalen Vertrieb unter einem Dach zu haben. Das läge zum einen an den rückläufigen Verkaufszahlen im physischen Bereich, die es einem Vertrieb nahelegen, auch an den Einnahmen der digitalen Verkäufe partizipieren zu wollen; zum anderen seien Promotion und Sales Marketing so viel verzahnter.

Des Weiteren gab Frau Nikele Tipps dazu, wie man als Künstler einen Vertrieb bzw. ein Label findet, das zu einem passt, und worauf man bei der Bewerbung achten sollte. „Es ist wichtig, sich das Profil der Vertriebe vorher anzuschauen. So kann man am ehesten sehen, ob man zu denen passt und andersherum. Außerdem kann es ratsam sein, den Produktmanager zu kontaktieren und sein Interesse zu wecken, anstatt sich anonym zu bewerben.“

Neben einem aussagekräftigen Text und Links zum Anhören – „keine großen Dateien mitschicken!“ – gehörten dazu auch eine Einschätzung, wo es mit dem Projekt in Zukunft hingehen soll. „Viele vergessen, dass das Label auch eine Art Planungssicherheit braucht. Ein Künstler, der nur ein Album rausbringt, ist weniger interessant, weil der Aufwand dann einfach zu groß ist und sich nicht rentiert.“
Wenngleich das Verkaufspotential des Künstlers eine entscheidende Rolle spiele, gebe es jedoch auch Chancen für diejenigen, die nicht von Anfang an alle Kriterien mitbringen: „Wenn das Vertrauen und der Glaube an das Projekt da ist, findet sich auch ein Weg.“

Im Anschluss wurde den Teilnehmern angeboten, alle nicht geklärte Fragen per Email zu stellen. Die kommenden Seminare beschäftigen sich unter anderem mit den Förderungsmöglichkeiten für Künstler und Firmen, mit Radio und Presse sowie Print- und TV-Promotion oder mit Fragen rund um die GEMA. Die genauen Termine werden noch bekannt gegeben.

(Linn Meissner)

Zurück