Ruhrkonferenz diskutierte Integration und Talentförderung

Das Integrationsministerium lud zur Ruhrkonferenz am 3. Juni 2019 in den Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Ministerpräsident Armin Laschet hat die Serie von Konferenzen gestartet, damit die Ressorts seiner Regierung eigene Perspektiven für das Ruhrgebiet entwickeln. Das Integrationsministerium beschäftigte sich nun mit der Talentförderung in den Bereichen Wirtschaft, Medien und Kultur und lud eine große Zahl an Initiativen, Unternehmen und Experten zur Diskussion. Nach heftigen morgendlichen Gewittern strahlte zur Konferenzbeginn wieder die Sonne auf den See des Wissenschaftspark. Zudem empfingen die freundlichen Klänge des virtuosen Ensembles „Eine kleine Weltmusik“ von Serbest Jajan die Tagungsteilnehmer.

Was es mit diesem auf sich hat, lernte man im Nachmittagsteil der Konferenz, als Workshops einzelne Ansätze von Initiativen und Einrichtungen diskutierten, die sich für Integrationsarbeit und Talentförderung engagieren. Sandra Hoch stellte die Förderung von Projekten und die Begleitung zugewanderter Musikerinnen und Musiker durch den Landesmusikrat NRW vor. Die Bands „5.000 Miles“, „Kalimba“, „Eine kleine Weltmusik“, das Dortmunder Projekt „At Home“ sowie exemplarische Bildungsprojekte sind dadurch ermöglicht worden. Ein Zugang zu Netzwerken und Fördersystemen, kompetente Dozenten und eine Variabilität der Förderbedingungen sind Schlüsselfaktoren für nachhaltige Begleitung, so Hoch. Das Ensemble „Eine kleine Weltmusik“ gestaltete nicht nur die Ruhrkonferenz musikalisch, sondern konzertiert am 10. Mai 2020 auch in der Philharmonie Essen im Rahmen einer Reihe von Konzerte, die zugewanderte Künstler bestreiten.

Im Plenum der Konferenz diskutierten Suat Yilmaz von der Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren, Hilke Birnstiel vom NRW-Zentrum für Talentförderung, Bernd Kreuzinger aus der Talentschmiede Ruhr, Staatssekretärin Serap Güler und Volker Kemper, Evonic, über die Praxis der Talentförderung bei Menschen mit Migrationshintergrund. Es moderierte Najima El Moussaoui. Dabei traten bei der Analyse des Problemfelds von Integration und Talentförderung Differenzen auf: Soziale Bildungsfaktoren sind ausschlaggebend für den Bildungswerdegang, nicht unbedingt ein Migrationshintergrund, so stellte Suat Yilmaz fest. Das Thema Armut sei wichtiger für die Chancengleichheit als das Thema Migration. Staatssekretärin Serap Güler wies hingegen darauf hin, dass der ethnische Hintergrund schon eine Rolle spiele, zum Beispiel in vielen Schulempfehlungen. Güler sah die Chancengleichheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe an, vor allem müssten Kinder besser begleitet werden. Yilmaz blieb dabei, dass die ökonomischen Faktoren eine größere Rolle spielen.

Das Engagement in der Wirtschaft vertrat Volker Kemper von Evonic. Evonic hat im Dreijahreszeitraum 800 Auszubildende in den Betrieben des Konzerns, im Ruhrgebiet gibt es dabei viel mehr Bewerbungen als Plätze, im Süden Deutschlands bleiben hingegen Plätze unbesetzt. Zu wenige Schülerinnen und Schüler gehen nach der 10. Stufe in duale Ausbildungen, zu viele in weiterführende Schulen, so Kemper. Bernd Kreuzinger pflichtete bei: Die Schulen vermitteln die falschen, studiumszentrierten Ausbildungsideale. Man sollte weg davon, nur auf die Noten zu gucken, ergänzte Hilke Birnstiel. Entscheidend sei, wie und in welcher Situation Jugendliche an sie gelangt seien. Jugendliche in den Brennpunkten erlebten auch in einer neutralen Medienumgebung täglich die Stigmatisierung der „sozialen Brennpunkte“, in denen viele von ihnen leben, und geraten in fatale Bildungskreisläufe. Birnstiel eröffnet Förderwege aus ihnen heraus.

Ein breit gefächertes Programm an Workshops stellte Initiativen aus den Bereichen Wirtschaft, Medien und Kultur vor und diskutierte deren Lösungsansätze. Neben den Moderatorinnen fassten auch Zeichner die Impulse und Anregungen zusammen und präsentierten ihre Poster in der Abschlussrunde.

rvz

Fotos: „Eine kleine Weltmusik“ begrüßte die Teilnehmer der Ruhrkonferenz in Gelsenkirchen. Sandra Hoch, Referentin des Landesmusikrats NRW, stellte die begleitende und fördernde Arbeit des Verbands in Bezug auf Geflüchtete vor. Die Sicht von Künstlerin Ferrara auf eine Bonner Initiative. Diskussion mit Suat Yilmaz, Hilke Birnstiel, Bernd Kreuzinger, Staatssekretärin Serap Güler, Volker Kemper und Moderatorin Najima El Moussaoui.

 

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