Preisträgerkonzert Jugend komponiert NRW

„Es ist ganz wichtig, dass ihr die Musik lebendig und strukturiert weiterentwickelt“, so gratuliert Reinhard Knoll, Präsident des Landesmusikrats NRW, den 17 jungen Komponisten beim Preisträgerkonzert Jugend komponiert NRW im Saal der Musikfabrik Köln. Moderator Nicolas Tribes greift den Faden auf und befragt einige Komponisten auf der Bühne nach der Art und Weise, wie sie ihre Werke entwickeln.

Christian Brandenburger, ein junger „alter Hase“ des Wettbewerbs stellt sein Opus 28 vor, „Fragmente“ betitelt. Zwei Motive prägen den Verlauf des Werks in immer neuen Kombinationen und Schichtungen. Sebastian Gokus interpretiert es am Schlagzeug als transparente Percussionkonstruktion.

Frowin Wild hat für „Apollo 11“ eine elftönige Tonleiter am Computer entwickelt. Als Zuspielung erklingt im Saal ein statischer und schwebender Syntheziser-Akkord mit wechselnden dynamischen Hebungen. Eine pittoreske Tonfolge folgt über einem Ostinato und gleitet in Verzerrungen und surreales Murmeln über.

Joss Spieker-Siebrecht kommt vom Improvisieren am Digitalpiano her und stellte jetzt eine Komposition am Konzertflügel vor. Das „Schlaflied für mich“ erscheint als meloncholischer Walzer, durchaus vollgriffig und virtuos.

„Der Krieg“ heißt das Klavierstück von Noah Grimm, das auf den 2. Weltkrieg rekurriert und eine Ballade spinnt.

Kevin Hunder-Conolly entfesselt in „nine six“ einen Sturm für Querflöte Solo (Michael Bayen) und Klavier, das der Komponist spielt. Pianistisch behende saust er über die Tasten und verweht die klaren Flötentöne mit dunklen Tonschwaden. Er gibt, wenn Schule und Komponieren es zulassen, Benefizkonzerte zugunsten der instrumentalen Bildung von Flüchtlingskindern.

Im Knabenchor des Kölner Doms begann die Laufbahn von Ben Falkenroth-Steinbach, der eine elektronische Komposition „(LS 2074)“ vorstellt, zerrissen, groovig, vorwärts hämmernd - der Clubsound dringt in den Saal der Musikfabrik. Der Titel ist eine Chiffre: Los Santos im Jahr 2074 ist die fiktive Stadt eines Games, die eine musikalische Distopie erlebt. Falkenroth interessiert sich für Filmmusik als Berufsfeld.

Soney Marino Paho präsentiert ein Streichquintett, das Kerstin von Bargen, Susanne Oesterlee, Zsuzsanna Pènzes-Büdenbender, Jonah Näckel und Anna Overbeck interpretieren, ein klassizistisches Kleinod.

Camilla Hoitenga und Sarah Pilgrim weben die Klänge von „Nighttime“ an Altflöte und Harfe im Saal, einer klangfarbenprächtigen Komposition des famosen Cellisten Manuel Lipstein. „Experimentiert, kriecht in das Innere des Klaviers“, ermuntert Juror David Graham die Komponisten, bevor er die Urkunden überreicht.

rvz

Fotos: Kerstin von Bargen, Susanne Oesterlee, Zsuzsanna Pènzes-Büdenbender, Jonah Näckel und Anna Overbeck spielen Streichquintett No. 1 von Soney Marino Paho; Camilla Hoitenga und Sarah Pilgrim interpretieren Manuel Lipsteins "Nighttime" im Preisträgerkonzert Jugend komponiert NRW am 11. Juli 2019 im Saal der Musikfabrik, Köln. Fotos: LMR NRW.

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