„Musik und Spracherwerb II“ – Tagung in der Landesmusikakademie NRW

An die fünfzig Pädagoginnen und Pädagogen und andere Interessierte suchten am 7. Juli in der Landesmusikakademie NRW nach Wegen der musikalischen Unterstützung von Spracherwerb. Es war bereits die zweite Tagung in kurzer Folge, denn schon im Januar hatte eine erste Serie von Vorträgen und Workshops viele Interessierte in diese Arbeit eingeführt. Am 7. Juli luden nun sechs weitere Workshops nach Heek ein. Sie wurden mehrfach wiederholt, so dass die Teilnehmer mindestens drei besuchen konnten. Dabei lernten diese Methoden, die in der Arbeit mit Vorbereitungs- bzw. Willkommensklassen erprobt sind, ebenso kennen wie die seltener angewandte tamilische Konnakol-Rhythmussprache, die Anushaant Nayinai Wijayan und Johannes Winkler demonstrierten.

Dr. Anja Bossen (Berlin) führte in ihrem Workshop in die praktische Arbeit mit Kindern im Grundschulalter ein. Sie stellte geeignetes Liedrepertoire vor und untersuchte die Auswirkungen des Singens auf Sprachrhythmus und Memofähigkeit. Maxi Heinicke (Berlin) konzentrierte sich auf das Arbeiten mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Schule und Berufsschule. Ihre wichtigsten methodischen Instrumente sind der menschliche Körper sowie Spiele und Interaktionen in der Gruppe. Ein Kartenspiel, das Fische mit menschlichen Emotionen zeigt, bot Anlässe zu spielerischen Entwickeln von Interpretationen und Aussagen im Workshop.

Bettina Gajewski (Rottenburg) stellte das baden-württembergische Landesprogramm "Singen-Bewegen-Sprechen" (SBS) zur Sprachförderung an Kitas und Grundschulen vor. Erfahrungen der Kommunikation und der Zusammenarbeit sowie die Selbstwahrnehmung stehen im Mittelpunkt einer Arbeit, die speziell auch bei Kindern mit Migrations- bzw. Fluchthintergrund wirkt. Isa Schreml (Musikschule Bochum) und Manfred Grunenberg präsentierten ihr Konzept einer Verbindung von Methoden der elementaren Musikpädagogik mit dem DAZ-Unterrichtswerk „Schritte 2“, um den Spracherwerb durch Lieder und Rhythmen zu erleichtern.

Im Konnakol-Workshop sprachen und klatschten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer perkussive Phrasen und ließen sich nicht dadurch beirren, dass Anushaant Nayinai Wijayan und Johannes Winkler ihnen voraussagten, sie bräuchten mindestens acht Jahre, um die Rhythmussprache zu lernen. Alexander Riedmüller (Hamburg) zeigte, wie Rhythmik die Felder Musik, Bewegung und Sprache miteinander verknüpfen kann. Sein Workshop lehrte das Stellen und Lösen rhythmisch-musikalischer Aufgaben im Unterrichten von Deutsch als Zweitsprache für Grundschulkinder. Entstanden ist das Konzept in einem Projekt des Landesmusikrats Berlin bei der Arbeit in Willkommensklassen.

Im Projektmarkt stellte Beate Glombek an einem Stand die Publikation "Lieder zum Ankommen: Sprachvermittlung und Sprachförderung durch Singen" von Ursula Kerkmann vor, die in Musikprojekten mit geflüchteten Kindern an nordrhein-westfälischen Grundschulen entstanden und in Zusammenarbeit mit dem Landesmusikrat NRW im Helbling Verlag erschienen ist.

rvz

Foto: Konnakol-Workshop am 7. Juli in der Landesmusikakademie NRW mit Anushaant Nayinai Wijayan und Johannes Winkler; Projektleiterin Beate Glombek, Akademieleiterin Antje Valentin und Referent Matthias Witt am Stand des Liederbuchs „Lieder zum Ankommen“; Dozentin Maxi Heinicke (Berlin); Workshop von Anja Bossen (Berlin); Fotos: LMR NRW.

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