Fremd ist der Fremde nur in der Fremde

"Das Fremde in der Musik" war das Thema des diesjährigen Kompositionsworkshops für Mädchen und junge Frauen, der am ersten und dritten Novemberwochenende in der Musikschule Dortmund stattfand. Unter Leitung der Essener Komponistin Karin Haußmann erarbeiteten die Teilnehmerinnen eigene Stücke, in denen es um die individuelle Erfahrung von "Fremdheit" ging. Karolina Rüegg (Sopran), Burkhart F. Zeller (Violoncello), Joachim Striepens (Klarinette) und Michael Pattmann (Schlagwerk) hatten den Teilnehmerinnen zu Beginn des Workshops die große Bandbreite von Spieltechniken und Klangmöglichkeiten ihrer Instrumente " bzw. der menschlichen Stimme " vorgestellt und halfen auch bei der Einstudierung der neu entstandenen Stücke am zweiten Wochenende, z.B. bei Fragen der bestmöglichen Notation eigener Klangvorstellungen und Ideen.

In der Abschlusspräsentation am 18. November machte Annalena Hösel den Aufschlag mit ihrem als Bewerbung für den Workshop eingereichten Song "Nicht der Typ für diese Welt". Und auch in ihrem Dortmunder Stück suchte sie in der Textvorlage "Sachliche Romanze" " dem bekannten Gedicht über ein "entfremdetes" Paar von Erich Kästner " dem Thema des Workshops näher zu kommen. Den Weg über die Textvorlage beschritt auch Katharina Lowinski, die sich in ihrer Komposition "Zwei fremde Augen" auf das Tucholsky-Gedicht "Augen in der Großstadt" bezieht. Die Komposition "Fremd" der mit gerade einmal 11 Jahren jüngsten Teilnehmerin Anna Hürten greift das Wortspiel von Karl Valentin "Fremd ist der Fremde nur in der Fremde" auf, das sie einer "Durcheinanderwuselung" unterzieht.

Das längste Stück steuerte die in Deutschland "zwischen den Kulturen" aufgewachsene und mit 20 Jahren älteste Workshopteilnehmerin Utako Washio mit "Halu " Natsu " Aki " Fuiyu" bei, der Vertonung eines japanischen Gedichts über die vier Jahreszeiten. Dass auch in Japan im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen, konnte man aus Michael Pattmanns Einsatz schließen, der in dem elegischen Satz ein zerknülltes Blatt Papier nach dem anderen unaufgeregt zu Boden fallen ließ.

Viel Applaus für die beeindruckenden Stücke gab es schließlich von dem nach Dortmund angereisten Publikum aus Familienangehörigen und Freunden. Bleibt mit der Dozentin zu hoffen, dass die so engagiert und ernsthaft arbeitenden jungen Komponistinnen ihre Klangphantasie kontinuierlich weiterentwickeln können " möglicherweise unterstützt durch einen weiteren Kompositionsworkshop für Mädchen und junge Frauen im nächsten Jahr.

Der vom Landesmusikrat NRW in Verbindung mit dem Landesverband der Musikschulen veranstaltete und von Hedwig Otten (Musikprojekte Köln) organisatorisch betreute Kompositionsworkshop wird gefördert vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen.

Fotos (von oben nach unten):

Wegweiser zum Ort der Abschlusspräsentation

Katharina Lowinski bei der Arbeit

Utako Washio inmitten ihrer "Jahreszeiten"

Katharina Lowinski bei der Einstudierung ihres Stückes mit Karolina Rüegg

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Fotos: LMR NRW