„Das Lied des Lebens“ von Irene Langemann: Kinostart im Januar

Alexandra Naumann hat auf der Tagung „Musik & Alter“ von Landesmusikrat und Landesmusikakademie NRW am 30. November in Heek den „Experimentalchor Alte Stimmen Köln“ vorgestellt, der vom Komponisten Bernhard König ins Leben gerufen wurde. Dieser Chor sowie Bewohner des Generationenzentrums Sonnenberg in Stuttgart stehen im Mittelpunkt des Films „Das Lied des Lebens“ von Irene Langemann, der Anfang nächsten Jahres in die deutschen Kinos kommt (Start: 17. Januar). Der Film ist nicht nur Zeugnis einer ungewöhnlichen künstlerischen Arbeit mit Senioren, sondern auch Dokument berührender Lebensgeschichten. Mit dabei: die vierköpfige Tango-, Swing- und Gipsy-Band „Uwaga!“, eine der drei Siegerbands des Wettbewerbs „Creole NRW 2010“.

Aktuellen Informationen zum Film und den Kinostarts finden Sie auf der Filmwebseite: http://daslieddeslebens.lichtfilm.de   


Pressetext zum Film:

Ein hundertprozentiger "Überzeugungstäter" sei er, sagt Komponist Bernhard König, wenn er über seine neuartigen Musikkonzepte für alte Menschen spricht. Begeistert von der Schönheit der alten „faltigen“ Stimmen, vermittelt er Senioren, wie man Musik meditierend, trauernd, liebend, lernend, protestierend, staunend und beglückt erleben kann.

Im Stuttgarter Generationenzentrum Sonnenberg führt der Musiker biographische Interviews mit alten Menschen, um deren verschüttete Träume und Traumata aufzuspüren. Zentrales Thema sind die „Lieblings- und Lebenslieder“. Lieder, die in der eigenen Biographie verankert sind und für eine ganz besondere Geschichte oder Erinnerung stehen. Bei der 78-jährigen Magdalena Reisinger löst das Lied „Kann denn Liebe Sünde sein“ einen emotionalen Ausbruch aus. Mit vierzehn Jahren ist sie schwanger geworden. Geächtet von den Dorfbewohnern, täglich von ihrer Mutter verprügelt, brachte sie als fünfzehnjähriges Mädchen eine Tochter zur Welt. Dieses Erlebnis, das auf dramatische, aber auch beglückende Weise ihr Leben geprägt hat, ist für Bernhard König der Ausgangspunkt, das ‚Lied des Lebens’ von Magdalena Reisinger zu komponieren. Stärker als im bloßen Erzählen und Erinnern, kommen in solchen Lebensliedern sehr intensive Emotionen zum Ausdruck. In der Eintönigkeit des Altenheims werden aus bedrückten, erstarrten Senioren klingende und leuchtende Menschen.

Diese Arbeit setzt Bernhard König in Köln mit dem Experimentalchor „Alte Stimmen“ fort. Hier darf mitsingen wer mindestens 70 Jahre alt ist und Lust auf musikalische Experimente hat. Der älteste Chorsänger Alfred Adamszak ist 91, und kein bisschen müde – trotz der schlimmen Kriegserlebnisse und der schmerzhaften Abschiede von geliebten Menschen. Auch diese Biographie nimmt der Komponist zum Anlass, um zusammen mit dem Chor ein Lied von ergreifender und expressiver Stärke zu entwickeln.

Obwohl Bernhard König seit vielen Jahren Musik für die abenteuerlichsten Anlässe erfindet, hat er noch nie ein Projekt erlebt, das so viele Überraschungen bereithält und eine solche zwischenmenschliche Dynamik und emotionale Tiefe entwickelt. Die Autorin Irene Langemann hat seine Arbeit über Monate begleitet und dokumentiert, wie die Magie der Musik die Senioren am Neckar und Rhein beflügelt, wie aus ihren Liebesgeschichten, aus Leidgeschichten Lebenslieder einer Generation werden, die viel durchgemacht und viel zu erzählen hat.

Fotos: Jane Dunker, Lichtfilm

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