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Zelter-Plaketten mit Stepdance

30.05.17

Hildegard Kaluza, Abteilungsleiterin im Kulturministerium NRW, und Regina van Dinther, Präsidentin des Chorverbands NRW, verliehen im Mendelssohn-Saal der Historischen Stadthalle Wuppertal Zelter-Plaketten an Vertreter von sieben nordrhein-westfälischen Chören. Diese Plaketten erhalten Vereine durch den Landesmusikrat im Auftrag des Bundespräsidenten anlässlich ihres hundertjährigen Bestehens. Partner des Landesmusikrats war in diesem Jahr der Bergische Chorverband mit seinem Vorsitzenden Andreas Imgrund.

Der Wuppertaler Oberbürgermeister Andreas Mucke erläuterte zu Beginn des Festakts, dass das Ehrenamt im bergischen Umkreis Wuppertals eine besondere Tradition habe. Das bedeute viel Arbeit für die Vereinskräfte, so viel, dass es oft schwer sei, Kräfte für den Vorstand zu finden. Wichtig sei vor allem, eine Schatzmeisterin oder einen Schatzmeister zu finden.

Nicht nur Plaketten, sondern auch Musik hatte der Festakt viel zu bieten. Das "Sax for Fun Konzertorchester" aus Wuppertal eröffnete unter Leitung von Thomas Voigt den Festakt mit einer durchdringenden Fanfare für einen Helden. Die Mandolinenkonzertgesellschaft Wuppertal stellte ihr die wunderbaren lyrischen Klänge von Yasuo Kuwaharas „Song for Japanese Autumn“ entgegen. Die Tremoli der Mandolinen über den Ostinati der Gitarren verzauberten in der klaren Akustik des Mendelssohn Saales. Detlev Tewes leitet das Ensemble, Konzertmeisterin Katharina Littkemann übernahm das kadenzierende Solo vor der Wiederkehr des Kopfteils.

Moderator des Festakts war Nicolas Tribes, er befragte die Vertreter der Chöre und auch Katharina Littkemann, die schilderte, wie sie und ihre Pultnachbarin sich in der Stimmführung der Mandolinen Konzertgesellschaft seit 2013 arbeitsteilig abwechseln. "Musik ist ein Urbedürfnis, das wir mit in die Wiege gelegt bekommen," postulierte Chorverbandspräsidentin Regina van Dinther. Oft erklinge heute Fertiges aus irgendwelchen Boxen. Doch die Verleihung der Zelter-Plaketten, das sei die Würdigung der Tradition, sich zu engagieren und Gutes für die Gesellschaft zu tun. Die Musik dabei auch in die Zukunft zu tragen, das bedeute einen Spagat, den die Vereine jeden Tag unternehmen, so van Dinther. Das Grundschulmusikalisierungsprojekt „Singpause“ in Düsseldorf und Wuppertal etwa sei so ein Projekt, das die Gesellschaft weiterführe. "Große Herausforderungen stehen vor uns, gerade was das Singen angeht. Die Musik und die Laienkultur stoßen die Türen zu anderen Kulturen auf. Und die Verbände wollen das auch."

Hildegard Kaluza, Leiterin der Kulturabteilung im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW, stellte in ihrem Grußwort fest, dass Chormusik ein Fundament unserer Gesellschaft sei. Was aber sei der Spirit, der die Vereine trage? "Man ist zusammen kreativ und zwar kreativer als alleine," so Kaluza. Sie fand es bemerkenswert, dass auch im Kriegsjahr 1917 Chorvereine gegründet wurden. Das Kulturbedürfnis sei oft gerade dann groß, wenn es an allem mangele. Doch auch heute wollen immer mehr Menschen singen, wie gerade wieder eine Untersuchung festgestellt habe, sie müssen nur noch in die Chöre kommen. „100 Jahre sind eine ganz große Leistung für einen Verein,“ würdigte Kaluza, deren Schwiegervater selbst ein Vereinsschatzmeister ist. Sie weiß, wie viel Arbeit das bedeute. Die Würdigungen der Vokal- und der Instrumentalvereine seien zu Recht damals von den Bundespräsidenten Heuss und Lübcke auf den Weg gebracht worden. Für "volksbildende Dienste", so hieß es in der Begründung von Heuss, heute übersetzen wir den Begriff eher in "Kulturelle Bildung".

Der Chor der Ehemaligen der Chorakademie Bergisch-Land umrahmte unter Leitung von Ingrid Goethe-Fliersbach mit stimmungsvollen Chorsätzen von Robert Schumann, Alexander Chromuschin, Kurt Lissmann und Cy Coleman die Übergabe der Urkunden durch Hildegard Kaluza und Regina van Dinther. Zum Schluss des Festakts sangen die jung gebliebenen „Ehemaligen“ den Song „I will follow him“ aus „Sister Act“. Und zwei der Sängerinnen ornamentierten die Plaketten mit einem Stepdance.

rvz

Fotos: Die Mandolinenkonzertgesellschaft Wuppertal am 28. Mai bei der Verleihung der Zelter-Plaketten in der Stadthalle Wuppertal; Hildegard Kaluza, Abteilungsleiterin im Kulturministerium, und Regina van Dinther, Präsidentin des Chorverbands NRW; Fotos: Studio 157, Thomas Ahrendt.