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Orientalische Spielweisen auf westlichen Streichinstrumenten

07.01.17

„Dieser Workshop hat mir eine neue musikalische Welt eröffnet, es ist noch so viel darin zu erleben“ – so das Statement einer Teilnehmerin, die am 4. und 5. Januar 2017 intensiv mit Nure Dlovani (Violine), Thaer Eid (Viola) und Basilus Alawad (Violoncello) an der Landesmusikakademie NRW gemeinsam mit 20 anderen in die orientalische Musikkultur eintauchte. Organisiert wurde der Kurs durch Anne Tüshaus für das vom Landesmusikrat NRW getragene Projekt Brückenklang.

Zu Beginn führte Thaer Eid, Bratischist aus Syrien und derzeit im Masterstudium Viola an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover, gut nachvollziehbar in die Welt der arabischen Tonleitern Maqamat ein. Nure Dlovani, aus Armenien stammende Kurdin und in Köln zu Hause, leitete als professionelle Geigerin die Violinen an. Basilius Alawad, Cellist, Absolvent der Musikhochschule Damaskus und nun in Aachen zu Hause, die tiefen Streicher. Zudem begleitete er auch von der Rahmentrommel aus das Gesamtensemble der Teilnehmenden. Kaum zu glauben, dass die Dozenten erstmalig zusammen arbeiteten, wenn man sie zusammen Hand in Hand agieren und sich einander ergänzen sah.

Die sinnvolle Verbindung von gemeinsamen Ausprobieren, theoretischen Erläuterungen und eingespielten Klangbeispielen machte diese nicht ganz einfache Materie sofort anschaulich. Besondere Momente entstanden, wenn die drei Dozenten über einem von allen Teilnehmenden gehaltenen Ton auf einem Maqam improvisierten. Die andere Klangwelt und Ästhetik, das Hineinhören in feinste Tonveränderungen und Färbungen, die Suche nach dem richtigen Mikroton und das Eintauchen in die eher aus dem Gehör als von Noten gespielte arabische Musik begeisterten alle Anwesenden. Anfangs besuchten die 15 Streicher des parallel stattfindenden Kurses „Junge Kammermusik“ des Kammermusikzentrums NRW den Kurs und erlebten die gelungene Einführung mit.

Der Wechsel der Arbeit im Plenum und in Instrumentengruppen, die hohe Fachkompetenz der Dozenten, die sowohl in westlicher wie in der orientalischen Musik zu Hause sind, schweißte alle Anwesenden rasch zu einem großen Ensemble. Gern hätten die Teilnehmenden noch einen Tag lang weiter gearbeitet. Der Wunsch, wieder so einen Kurs erleben zu können wurde einhellig vorgetragen. Es gibt noch so viel auszuprobieren und zu entdecken. Das Dozententeam erwies sich als Idealbesetzung, die jungen Profis inspirierten ihre Teilnehmenden in hohem Maße. Ein internes Abschlussvorspiel mit den Werken Hijaz Samai (Youssef Nassif) und Sea Waves for Quintett (Maias Alyamani) beendete den Kurs. Weitere Fotos und zwei kurze klangliche Eindrücke sind auf der Brückenklang-Facebookseite zu finden: https://www.facebook.com/Br%C3%BCckenklang-1729798843972107/

Der Kurs gehört zum Projekt Brückenklang, das durch die Förderung des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport ermöglicht wird.

Die nächste Veranstaltung im Rahmen von Brückenklang ist die gemeinsam vom Chorverband NRW, dem Landesmusikrat NRW und der Landesmusikakademie durchgeführte Interkulturelle Chor-Fachtagung NRW am 11.02.2017 in Heek. Als Referenten wirken Prof. Karl Ermert und Dr. Ali Sak mit sowie der deutsch-türkische Projektchor des Chorverbands NRW. Weitere Informationen und Anmeldung: https://www.landesmusikakademie-nrw.de/kursangebot/#C-1705T02

(Antje Valentin)

Fotos: Nure Dlovani (vorne, Violine), Thaer Eid (hinten, Viola);  Teilnehmer des Workshops in der Landesmusikakademie NRW; Fotos: LMA NRW.