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JugendJazzOrchester NRW in Zypern (Nikosia, Larnaka)

04.01.18

Das JugendJazzOrchester NRW absolvierte mit einem Kurztrip vom 17.bis 20. Dezember 2017 nach Zypern seine 40. Auslandsreise; eingeladen hatte die Deutsche Botschaft in Nikosia.

Check-in am Flughafen Düsseldorf um 06:00 Uhr, die Außentemperaturen liegen um den Gefrierpunkt. In München muss das Flugzeug vor der Weiterreise nach Zypern enteist werden. Nach rund drei Stunden Flugzeit landet das Orchester in Larnaka, der drittgrößten Stadt und nach Limassol der wichtigste Hafen des griechischen Landesteils. Der Flughafen der zyprischen Hauptstadt Nikosia kann seit der türkischen Invasion im Juli 1974 nicht mehr angeflogen werden; er liegt in der Pufferzone entlang der Waffenstillstandslinie. Verhandlungen um die Wiedereröffnung sind bislang gescheitert.

Bei der Ankunft ist die Sonne ist bereits untergegangen, noch zeigt das Thermometer 20 Grad. Der Busshuttle nach Nikosia dauert eine halbe Stunde.
Im Hotel angekommen bleibt nur wenig Zeit zum Umziehen. Schon stehen die Busse bereit, um die Band in die Residenz des Botschafters bringen. Kontrabass, Keyboard, Verstärker und Schlagzeug sind vor Ort ausgeliehen und stehen fortan zu jedem Auftritt zur Verfügung. Geladen sind u.a. Gäste anderer Auslandsvertretungen. Eine Combo des JJO NRW spielt mit wechselnden Besetzungen, das Publikum applaudiert begeistert, Bundespräsident Steinmeier schaut von einem Wandportrait amüsiert auf das Geschehen.

Am Montag, 18. Dezember, steht ein Rundgang durch die Altstadt Nikosias auf dem Programm. Dazu verabredet man sich in mit einem Reiseführer, der die Band in der sogenannten „buffer zone“ empfängt, einer Art Niemandsland zwischen dem griechischen und türkischen Teil Nikosias, der letzten geteilten Hauptstadt Europas. Hier schufen die UN-Friedentruppen vor rund 40 Jahren ein menschenleeres Grenzgebiet, in dem Hinterlassenschaften aus den siebziger Jahren verstauben.
1974 stürzten die in Athen herrschenden Generäle den zypriotischen Präsidenten Makarios. Das wurde von der türkischen Regierung zum Anlass genommen, in Nordzypern einzumarschieren, die dort ansässigen Griechen in den Süden zu vertreiben. Nikosia wurde in der Mitte zerschnitten - mit Barrikaden und einer Mauer, zerstörten Häusern und Wachtürmen, kontrolliert von der Uno.
Zurück im griechischen Teil der Stadt spürt man deutlich europäischen Einfluss. Hier gilt der Euro, und obwohl der östliche Zipfel der Insel nur 100 Kilometer von der syrischen Küste entfernt liegt, fühlen sich die griechischen Zyprioten deutlich näher an Brüssel.

Sarah's Jazz Club, malerisch gelegen inmitten der Altstadt, bietet die Bühne für das Konzert der Band am Abend. Er wurde 2015 von der landesweit bekannten Jazzsängerin Sarah Fenwick gegründet, die sich insbesondere für den Austausch mit der Europäischen Jazzszene einsetzt. Das Interieur erinnert ein wenig an die Ausstattung Berliner Clubs in den Zwanzigern; gemütliche Atmosphäre, das Konzert ist ausverkauft. Der Auftritt in der Botschafterresidenz hat sich herumgesprochen.
Viele Gäste vom Abend zuvor sind erneut gekommen, darunter auch die Botschafter Australiens, Spaniens und Israels. Stefan Pfeifer-Galilea leitet die Band mit viel Einsatz, zwei Zugaben gibt es obendrauf.

Für den Dienstag hat die Botschaft einen Tagesausflug nach Larnaka organsiert.
Vor den Toren der Stadt erblickt man einen Salzsee, an dem sich Flamingos niedergelassen haben. Am Ufer ragt die Moschee Hala Sultan Tekke hervor, die wichtigste muslimische Wallfahrtstätte Zyperns. Das 1625 von den Türken erbaute Hafenkastell ist die Perle in der Uferfront Larnakas, ebenso die Kirche des heiligen Lazarus, eine der ältesten der Hafenstadt. Die Band erkundet eigenständig das Zentrum, mit google map und offline-Karten auf ihren Smartphones ein leichtes Unterfangen.

Zurück in Nikosia beginnen die Vorbereitungen für das Konzert am Abend. Die Verkaufshalle des „Old Municipal Market of Nicosia“ wird als Spielort hergerichtet.
Wo sonst Gemüse und Obst angeboten werden, soll nun ein Auftritt des Orchesters im Rahmen des jährlich wiederkehrenden „Nicosia Pop Up Festival“ stattfinden. Diese Veranstaltung hat zum Ziel, kreative Menschen unterschiedlicher Genres im historischen Zentrum der zyprischen Hauptstadt zusammenzubringen, um die Altstadt langfristig zu beleben.
Betonpfeiler in der Halle erschweren eine angemessene Beschallung. Der Toningenieur der Band muss mit all seiner Erfahrung früherer Auslandstouren improvisieren. Am Ende steht ein brauchbarer Sound. Im Laufe des Konzerts kommen immer mehr Zuhörer, die eher zufällig über den Marktplatz flanieren und den Big-Band-Klängen nachgehen. Auch der Deutsche Botschafter ist anwesend. Gemeinsam eruiert man Möglichkeiten, das JJO NRW mit entsprechend längerem Planungsvorlauf künftig auch in anderen Städten Zyperns auftreten zu lassen. Hierbei spielt die Option, gemeinsam Konzerte mit Ensembles und Orchestern des Gastlandes zu realisieren, eine wichtige Rolle.

Donnerstag, der 20. Dezember, ist Abreisetag. Nach einem letzten Rundgang durch die Altstadt geht es zum Flughafen in Larnaka. Der Check-in verläuft zügig, Verstärker und Schlagzeug wurden wegen drohender Übergepäckgebühren zu Hause gelassen. Im Duty-free-Bereich beschallt ein Saxophonist mit Playback und viel Hall die Verkaufsflächen. Trompeter Stephan Geiger und Posaunist Tobias Link stellen sich spontan hinzu und bereichern die Darbietung mit jazzigen Improvisationen. Verkäuferinnen der umliegenden Geschäfte eilen herbei und beleben die Szene mit Tanzeinlagen.
Das Begleitpersonal im Flugzeug registriert schnell, dass hier ein junges Orchester mitreist. Eine Stewardess wünscht sich eine kleine musikalische Einlage nach der Landung in München. Diesem Wunsch wird entsprochen; die Stimmung an Bord, sonst eher gedämpft, verbessert sich deutlich.
Das Wetter auf dem Flugfeld wieder winterlich kalt, man wird sich umstellen müssen.

Für das Zustandekommen der Reise dankt das Orchester insbesondere folgenden Personen:
SE Botschafter Josef Kremp, den Mitarbeiterinnen der Abteilung für Kultur und Protokoll der Deutschen Botschaft Nikosia, Frau Makrina Amanatidou und Frau Eleni Antoniou.

Das Jugendjazzorchester NRW steht in der Trägerschaft des Vereins zur Förderung junger Jazzmusiker und des Landesmusikrats NRW, es wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW gefördert.

(Thomas Haberkamp)

Fotos: Konzert des JugendJazzOrchesters NRW am 17.12.2017 in der Residenz des Deutschen Botschafters in Nikosia; Konzert des JJO NRW in Sarah's Jazz Club am 18.12.2017 in der Altstadt von Nikosia; musikalische Einlage von Mitgliedern des JJO NRW im Flugzeug nach der Landung in München am 20.12.2017. Fotos: Thomas Haberkamp