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Higaz, 'çargah oyun havasi' und Mikrotöne - So können westliche Streichinstrumente auch klingen!

14.11.17

Am ersten Novembertag fand in diesem Jahr der halbtägige Brückenklang-Schnupperworkshop 'Orientalische Spielweisen für Streicher' in der Landesmusikakademie NRW Heek-Nienborg statt. Viele der Teilnehmenden waren ganz neugierig darauf, einen Einblick in die Klangwelt des Orients und eigene Möglichkeiten der Umsetzung auf ihrem Streichinstrument zu bekommen. Ein Großteil der insgesamt 17 Workshopteilnehmenden aus dem ganzen Bundesland reiste früher zum Orchesterseminar des Landesverbandes der Liebhaber-Orchester NRW an, um am Vormittag Ansätze für das praktische Spiel und Literaturideen mitnehmen zu können.

Die kurdische Dozentin Nure Dlovani führte zunächst in das Maqam-Skalensystem ein und brachte den Teilnehmenden erste mitrokonale Skalen bei. Die Kommatonschritte klangen zunächst deutlich ungewohnt in den Ohren der Musikerinnen und Musiker, Dlovani erwiderte bestätigend „hier darf es in eurem Ohr erstmal falsch intoniert klingen, das hat bei mir auch lange gedauert, bis ich den Viertelton auf Anhieb sauber spielen konnte “.

Zur Maqam ‚Higaz‘ wurde anschließend wechselseitig improvisiert, um tiefer in die charaktertypischen Klangfarben der Skala eintauchen zu können. Jeder der Teilnehmenden durfte mit der erlernten Skala eigene Melodien auf einem schwebenden Klangteppich der anderen spielen. 

Anschließend standen erste kammermusikalische Werke wie 'çargah oyun havasi', 'Cecen Kizi' und 'Üsküdara gideriken' auf dem Programm. Die Traditionsweisen wurden allesamt für mehrstimmige Kammermusikensembles arrangiert. Somit wurden in Gesamtensemblebesetzung die Stimmen einstudiert und zusammengesetzt. Ein spannender Exkurs in die Welt der orientalischen Musik, gefördert durch das Kulturministerium NRW.

(Anne Tüshaus)

Fotos: Teilnehmende des Brückenklang-Schnupperworkshops „Orientalische Spielweisen für westliche Streichinstrumentalisten, LMR NRW