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„Brückenklang“ auf Entdeckungstour: Ein Portrait des afrikanischen Fanfarenorchesters Wuppertal-Düsseldorf-Köln

31.08.16

Mitten in NRW an einem sonnigen Samstag im Juni schallen aus einem ehemaligen Fabrikgebäude in Wuppertal-Oberbarmen beschwingte Melodien von Blechbläsern durchs Treppenhaus auf die Straße. Die heutige Probe des afrikanischen Fanfarenorchesters der kimbanguistischen Gemeinde Wuppertal-Düsseldorf-Köln läuft etwas anders als normal. Zu Besuch ist die Projektmanagerin des landesweiten Programms „Brückenklang“ Anne Tüshaus, gemeinsam mit dem Leiter des Landesblasorchesters NRW Renold Quade.

Im Rahmen des Programms „Brückenklang“ möchte der Landesmusikrat NRW mit Mitteln des Kulturministeriums Brücken in der kulturellen Vielfalt der musikalischen Breitenkultur initiieren, unterstützen und festigen. Anhand von Förderungen interkultureller Musikprojekte, Workshops, Fortbildungen sowie Begegnungsforen soll der Austausch und der Netzwerkausbau zwischen den Musikkulturen des Landes gefördert werden. Der freundlichen Einladung, die Klangwelt und Musikkultur des afrikanischen Fanfarenensembles kennenzulernen, folgt der Landesmusikrat NRW daher sehr gern und allzu gespannt.

Freundlich empfängt der Orchestermanager Hervé-Jr. Faustinó Selengá im Rahmen einer Begrüßungsrede. Jedes Wochenende probe das Fanfarenorchester und gestaltet wöchentlich den musikalischen Rahmen der Gottesdienste sowie weiterer Feierlichkeiten der Gemeinde, so Faustinó Selengá. Die Besetzung des Fanfarenorchesters setze sich aus Blechblasinstrumentalisten aller Art mit perkussiven Begleitinstrumenten zusammen. Darüber hinaus gebe es in NRW noch ein Flötenorchester und einen Chor, die gleichfalls der kimbanguistischen Gemeinde angehören. Die Leiterin des afrikanischen Flötenorchesters Wuppertal-Düsseldorf-Köln Stella Muadi Kabuya fügt hinzu, dass die Mitwirkenden aus ganz NRW anreisen, um gemeinsam zu musizieren.

Zu Probenbeginn ertönt dann ein lebensfrohes Eingangslied mit dem Titel „Trio“, zu dem spontan zu einem typischen Schreittanz „Defile“ eingeladen wird, den normalerweise die Gemeindemitglieder im Rahmen der sonntäglichen Gottesdienste durchführen. Dirigiert wird das Orchester von Antonio Pinto, dessen Stellvertreter Ben Andy Kikaya ist. Beide sind an diesem Tage anwesend und wechseln sich mit der Leitung des Orchesters ab.

So folgt nach der Eingangsmusik eine festlich anmutende getragene Hymnenmelodie mit dem Titel „Joyeux Noël“ (Arrangement: PlaDaudet). Das musikalische Repertoire ist ausgerichtet auf unterschiedlichste Anlässe der Gemeindefestivitäten, erklärt Pinto. Die Werke sind allesamt selbst komponiert und für die verschiedenen Ensemblebesetzungen arrangiert. Wenn auch etwas anders als traditionelle europäische Satztechniken, so ist das Repertoire dennoch tonal und in Notationsform mit Stimmen und Partituren niedergelegt.

Der Musikernachwuchs wird von einigen versierten Musikern der Ensembles selbst unterrichtet. Zunächst findet Theorieunterricht statt, dann beginnt der praktische Unterricht am Instrument und mit ausreichendem Niveau dürfen die Instrumentalisten schließlich auch im Ensemble mitwirken. Die musikalische Nachwuchsarbeit spiegelt sich somit auch in der altersdurchmischten Zusammensetzung des Fanfarenorchesters wider. Von der Jugend bis ins hohe Alter wird hier gemeinsam musiziert.

Die NRW-Ensembles werden in ihrer Arbeit direkt von den hiesigen Gemeinden mit ihren Pastoren Miasangi Mvuama (Düsseldorf), Kinanga Langu und Lukombo Marie-Claire (Köln) und Marten Manzanza (Aachen) sowie den deutschen Generalkonsulen und Generainspektor der Kimbanguistischen Gemeinde Deutschland Sergio Quilolo, José Soumajea und Nickson Nsakuameso unterstützt.

Allgemein spielt die Musik in der Kimbanguistenkirche eine zentrale und wichtige Rolle, so erklärt der Diakon der Wuppertaler Gemeinde Herr Zayobi Zengeni, welcher gleichfalls Sousaphon im Orchester spielt. So sei das Musizieren ein wichtiges Element für den Zugang zu Gott und zur Natur.

Die Kimbanguistenkirche ist eine unabhängige afrikanische christliche Kirche mit Hauptsitz im Kongo. Neben den Musikensembles in NRW gibt es weitere musikalische Formationen in Deutschland (Orchester-Präsident für ganz Deutschland ist Nkoko Bongela), Europa und Afrika. Mehrmals jährlich tourt daher das NRW-Orchester, um sich mit Musikern anderer kimbanguistischen Gemeinden auszutauschen und gemeinsame Festlichkeiten musikalisch zu gestalten. In diesem Jahr beispielsweise war das Orchester in Belgien und 2015 in Frankreich unterwegs.

Weltweit ist das größte Orchester der Kimbanguisten das in Kinshasa beheimatete Sinfonie- und Blasorchester, welches gleichzeitig das einzige seiner Art in Zentralafrika ist. Das Orchestre Symphonique Kimbanuiste wurde 1994 gegründet und hat heute ca. 200 Mitwirkende. (Weitere Informationen zum Sinfonieorchester bietet der deutschsprachige Film Kinshasa Symphony von Claus Wischmann und Martin Baer.)

Zurück nach Nordrhein-Westfalen: Die bereichernde Begegnung mit dem afrikanischen Fanfarenorchester motiviert den Leiter des Landesblasorchesters Renold Quade zu einer Idee: „Füreinander, miteinander, mutig, bunt, rhythmisch, klangvoll – Ein Jahrmarkt der Möglichkeiten!“ Einen gemeinsamen Probentag der Kulturen müsse man veranstalten, um das Miteinander der Kulturen zu fördern, so Quade. Mit Unterstützung des Volksmusikerbundes NRW, dem Landesmusikrat NRW und dem Collegium musicum der Universität zu Köln gelang es nun im Herbst zu einem gemeinsamen „StartUp der Kulturen – geblasene Musik interkulturell“ einzuladen.

Am 12. November treffen sich ab 13:30 Uhr Laienmusikerinnen und -musiker der Breitenkulturszene NRWs in der Aula der Universität zu Köln. Mit dabei ist u.a. das afrikanische Fanfarenorchester Wuppertal-Düsseldorf-Köln, der Kölner Chor für Türkische Musik und das Landesblasorchester NRW. Interessierte sind herzlich eingeladen, der musikalischen Begegnung der Kulturen im Rahmen eines Werkstattkonzertes zuzuhören. Der Eintritt ist frei (je nach Platzverfügbarkeit), weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auch unter: www.brueckenklang.de.

Anne Tüshaus

Foto: Probenbesuch des afrikanisches Fanfarenorchester Wuppertal-Düsseldorf-Köln, im ersten Bild rechts Renold Quade, Quelle: Stella Muadi Kabuya