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600 spielen eine Hymne: Schulen musizieren NRW in Mönchengladbach

11.03.16

21 Orchester, Chöre, Ensembles und Bands, die an Schulen Nordrhein-Westfalens arbeiten, trafen sich am 10. März in Mönchengladbach, um sich einander musikalisch vorzustellen. Seit 1980 führt der einstige Verband deutscher Schulmusiker, nunmehr zum Bundesverband Musikunterricht fusioniert, den Wettbewerb Schulen musizieren durch. Dessen Besonderheit besteht darin, dass Ensembles aller  Schularten (Grundschule, Förderschule, Hauptschule, Realschule, Sekundarschule, Gesamtschule und Gymnasium) einander begegnen, ohne sich untereinander zu vergleichen und zu messen.

Auf Einladung Dieter Döbens von der Bischöflichen Marienschule Mönchengladbach trafen sich nun 21 Ensembles an vier Schulen in Mönchengladbach, dem Gymnasium an der Gartenstraße, der Hardt-Gesamtschule, dem Gymnasium Bischöfliche Marienschule und dem Hugo-Junkers-Gymnasium. Dort präsentierten sie einander ihr Repertoire in kleinen Schulkonzerten.

Im Vorfeld hatten alle Ensembles zudem ein Arrangement einstudiert, das der Komponist und Musiklehrer Peter Lichewski eigens für die Begegnung in Mönchengladbach schrieb: „Music was my first love“ ist schon als Originalkomposition von John Miles üppig besetzt, Lichewski weitet den Song auf eine Zusammenarbeit mehrerer Klangkörper aus, deren Klangcharakter sehr verschieden ist. Nachdem die Ensembles also die Bearbeitung zunächst in ihren Schulen voneinander getrennt geprobt hatten, trafen sie am Mittag des 10. März im Theater Mönchengladbach aufeinander. Allein schon der Aufbau von 600 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne, in den Publikumsreihen und auf der Empore dauerte so lange, dass die Probe erst zehn Minuten vor dem angekündigten Konzertbeginn starten konnte.

Spannung liegt in der Luft, als zunächst nur das Klavier und ein Jungenchor die Melodie anstimmen. Schon nach zwei Phrasen verebbt der Chor. Eine eingebaute Zeile des Arrangements, "Viva, viva la musica", ist kanonisch zu singen, doch es klappt nicht. Dirigent Dieter Doeben bittet einen Schlagzeuger, einen Klick dazuzugeben, und es funktioniert. Das Bühnenorchester nimmt den Faden auf, dann übernimmt die Perkussionsgruppe vor der Bühne, immerhin drei Dutzend Toms, Kongas und Snares. Die Stuhlreihen vibrieren, doch der sichere Groove will sich noch nicht einstellen, denn der Song ist in dieser Passage im 7/4-Takt gehalten.

Das Arrangement steigert sich: Das sinfonische Orchester auf der Bühne gibt kräftige Klangfarben in das Bekenntnis zur Musik, zwei sinfonische Blasorchester in den Publikumsreihen etablieren dann resolut die rhythmische Struktur. Da weicht das Arrangement aus in einen anderen, viel älteren Song:  "Ich brauche keine Millionen", 1939 von Peter Kreuder komponiert. Der Schlager fügt sich nahtlos in die Miles’sche Abfolge von Formteilen. Nach dem Einschub strebt das Stück dem Höhepunkt entgegen. Die 600 Musikerinnen und Musiker crescendieren den Hit, der Chor setzt die Melodie schwebend über den eskalierenden Instrumentalsatz, der Saal bebt.

Ohne Ab- und Auftritt geht die Probe in das Abschlusskonzert der Begegnung über. Die Konzertbesucher haben sich im Theatersaal zwischen die Musiker in die Sitzreihen gezwängt. Zweimal erklingt die Komposition, dazwischen blickt Walter Lindenbaum vom Bundesverband Musikunterricht NRW in einer kleinen Ansprache auf die Geschichte von insgesamt 18 Begegnungen Schulen musizieren zurück, worauf er und Susanne Kölling aus dem Präsidium des Verbands Vertretern der Ensembles Urkunden überreichen. Bei der zweiten Aufführung klingt die Hymne nun fließend und erhaben – eine Veranstaltung von echtem Begegnungscharakter.

Nach dem Konzert setzen sich die Veranstalter zusammen, hören Aufnahmen aus den Schulen ab und entscheiden, wer dem Bundesverband für die Bundesbegegnung seitens NRW empfohlen wird. Die Wahl fällt auf:

* das Orchester des Gymnasiums Leopoldinum Detmold (Dirk Brinkschmidt),

* das Blasorchester des Gymnasiums Paulinum Münster (Alfred Holtmann),

* den Chor „Peaces“ der Friedensschule Münster (Kai Koch) und

* die Band „boys & girls“ der Karl-Brauckmann-Schule Holzwickede, einer Förderschule Geistige Entwicklung (Felix Piltz).

Der Bundesvorstand kann nun hieraus ein Ensemble auswählen und zusätzlich noch das Ensemble der Förderschule benennen. Weiterhin spielten oder sangen in Mönchengladbach:

* die Trommelgruppe der Realschule Eschweiler (Gabriele Wall),

* die Samba AG des Max Planck Gymnasiums Düsseldorf (Axel Heinrich),

* die Big Band des Reinoldus-und-Schiller-Gymnasiums Dortmund (Melanie Grunwald),

* die Schülerband der Sekundarschule Haaren (Jo. Jansen),

* der Chor des Max-Planck-Gymnasiums Düsseldorf (Elke Umbach),

* der Chor des Reinoldus-und-Schiller-Gymnasium Dortmund (Daria Vennemann und Julia Koplin),

* das Kammerorchester des Gymnasiums an der Gartenstraße Mönchengladbach (Ursula Wessel),

* der Chor der Gesamtschule Mönchengladbach Hardt (Susanne Kölling),

* die Big Band des Gymnasiums Petrinum Brilon (Dr. Elmar Nordmann),

* der Kammerchor „chorossal“ des Mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums Mönchengladbach (Thorsten Corban),

* die Big Band der Luisenschule Mülheim (Regina Coupette),

* der Chor des Gymnasiums an der Gartenstraße Mönchengladbach (Julian Eichert),

* die Big Band des Cusanus-Gymnasiums Erkelenz (Thorsten Odenthal),

* die Big Band der Bischöflichen Marienschule Mönchengladbach (Teresa Bommes),

* die Trommelgruppe Ramba Zamba der Bertold-Brecht-Gesamtschule Bonn (Johanna Goerner), 

* die Big Band des Hugo-Junkers-Gymnasiums (Susanne Leitmann) und

* die FSG-Junior Bigband Arnsberg (Antje Tetzlaff).

Schulen musizieren NRW ist eine Veranstaltung des Bundesverbands Musikunterricht NRW; sie wurde vom Landesmusikrat NRW und vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW gefördert.

rvz

Fotos: Das Projektorchester der beteiligten Ensembles führt "Music was my first love" von John Miles im Theater Mönchengladbach auf; Susanne Kölling (BMU NRW) würdigt das Blasorchester Paulinum Münster mit einer Urkunde, rechts neben ihr dessen Leiter Alfred Holtmann; Bläser des Paulinums in den Sitzreihen des Theaters; Fotos: LMR NRW.